Schauspieler Ludger Burmann aus Werne - einst selbst Tatort-Darsteller - hat für uns den Dortmunder Tatorte im Video-Interview kritisiert. © Nils Lindenstrauß
50 Jahre Tatort

Tatort-Kritik: Die besten Sprüche von Schauspieler Ludger Burmann im Video

Bei unseren Tatort-Kritiken mit Schauspieler Ludger Burmann hat der Werner kein Blatt vor den Mund genommen und teils heftige Kritik geäußert. Wir haben die besten Sprüche in einem Video zusammengeschnitten.

Wenn es um den „Tatort“ geht, dann ist Ludger Burmann gewiss kein unbeschriebenes Blatt. Schließlich hat der Werner bei den TV-Ermittlungen einst selbst vor der Kamera gestanden. Dass Burmann die jüngeren Folgen des Dortmunder Tatorts allerdings nicht ganz so pralle fand, merkte man ihm bei unseren Video-Kritiken teils deutlich an. Wir haben uns die Kurzinterviews noch einmal angeschaut – und die besten Sprüche herausgepickt.

Fall Nummer 1: Tod und Spiele

An sich klingt der Inhalt der Folge „Tod und Spiele“ ja ganz spannend: Die Dortmunder Mordkommission ermittelt in einer illegalen Kampfsportszene. Es geht um harte Kämpfe, hohe Wetteinsätze – und verkohlte menschliche Knochen. Der einzige Zeuge bleibt stumm. Und dann gibt es da noch diesen Russen, der den Fußballverein Borussia Dortmund kaufen will. Aber von dem, was er dann tatsächlich im TV sieht, ist Burmann nicht sonderlich begeistert.

Erste Frage: „Wie hat Ihnen der Tatort gefallen?“ Die Antwort – kurz und knapp: „Gar nicht.“ Vor allem, weil aus Sicht Burmanns „viel zu viele Fragen offen bleiben“. Seinen Kollegen attestiert der Werner zwar eine schauspielerisch gute Leistung. Aber ansonsten kann er dem Streifen nicht viel Positives abgewinnen. Einer der Gründe: Der Dortmunder Tatort habe mit Dortmund sehr wenig bis gar nichts zu tun – weder sprachlich (Burmann fehlt der Kohlenpott-Slang) noch mit Blick auf die Menschen. Und schon gar nicht mit Blick auf die Story.

Denn die Untergrund-Kampfsportszene scheint etwas weit hergeholt. Und bei der Figur des Kommissars kann der Werner nur mit dem Kopf schütteln. Sein Kommentar: „Ich habe das Gefühl, der kokst jeden Tag. Man kann kaum glauben, dass der Kommissar ist, so wie der rumrennt. Wenn ich sein Chef wäre, würde ich ihm sagen: Pass mal auf, so geht das nicht. Zieh‘ dir mal ein paar vernünftige Klamotten an und rasier‘ dich mal.“

Fall Nummer 2: Zorn

Das klingt doch jetzt aber nach echtem Kohlenpott! In der Folge „Zorn“ geht es um ehemalige Bergleute und Stahlwerkarbeiter. Allesamt überhaupt nicht gut gelaunt. Der Titel passt also schon mal. Aber die Story ist aus Burmanns Sicht hanebüchen: Ein Reichsbürger, der gleichzeitig als V-Mann des Verfassungsschutzes fungiert, versorgt die Ex-Kumpel mit Sprengstoff, damit die auf dem Gelände ihrer alten Wirkungsstätte ihre Gemütsverfassung durch gezielte Explosionen zum Ausdruck bringen können. Auch die ehemaligen Stahlwerker möchten ihren früheren Arbeitsplatz in die Luft jagen – bevor das Gebäude für „modernere“ Zwecke genutzt wird.

Ludger Burmann beginnt seine Kritik recht sanft: „Als ich diese Schicht-im-Schacht-Plakate gesehen habe, war ich schon irritiert und dachte mir: Junge, Junge, Junge, das ist doch schon 30 Jahre her mit der Zeche. Wo haben die das denn aufgenommen?“ Dann kommt er zur Story: „Das ist für mich unbegreiflich. Die wollen nach 20 Jahren ihr altes Stahlwerk in die Luft jagen, weil es umfunktioniert werden soll? Wer hat sich denn so einen Schwachsinn ausgedacht?“

Eine solche Umnutzung alter Industriebauten als Veranstaltungsorte sei schließlich im Ruhrgebiet längst gang und gäbe. Die wichtigste Frage bleibt aber: „Was haben denn diese Leute, die da in der Kneipe sitzen, die letzten 20 Jahre überhaupt gemacht? Die werden die ganze Zeit nur als Saufköppe dargestellt, die ständig rumblöken. Das haben die also gemacht, seit das Stahlwerk vor über 20 Jahren geschlossen wurde? Das kann doch nicht sein! Wie kann man denn Menschen so darstellen!?“ Burmanns Fazit: Nicht gut recherchiert, nicht sonderlich spannend – aber zumindest ein bisschen besser als der vorherige Dortmunder Tatort.

Fall Nummer 3: Inferno

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Aber gilt das auch für Burmanns dritte Tatort-Kritik? Fällt die besser aus? Mit einem Wort: nein. Und das liegt unter anderem daran, dass es bei „Inferno“ gefühlt noch rauer zugeht als in den vorherigen beiden Folgen. Allerdings diesmal nicht bloß auf Seiten der bösen Buben, sondern auch in den Reihen der Kommissare. Und das, obwohl der Tatort eigentlich im medizinischen Milieu spielt – tote Ärzte und Pfleger inklusive.

Seine Erwartungen seien „bitterst enttäuscht“ worden, sagt Burmann: „Ich habe auch nach einer Dreiviertelstunde gedacht, ich schlaf gleich an. Da passiert ja überhaupt nichts.“ Ob es Überraschungsmomente gab? „Nö“. Problematisch ist aus Sicht des Werners vor allem das Verhalten der Ermittler. „Es ist für mich unbegreiflich, dass solche Leute im polizeilichen Dienst sind. Der eine kloppt wie ein Bescheuerter vor die Wand. Da dachte ich mir: Geht‘s noch? Leute, ist das hier eine Irrenanstalt oder ein Kommissariat?“

Burmann hat dementsprechend alternative Titel für das Werk vor Augen. „Inferno heißt ja Hölle. Zu diesem Tatort hätte aber besser ‚Kamikaze‘ oder ‚Durchgedreht‘ gepasst.“ Und bei seinem Resümee nimmt der Werner Schauspieler einmal mehr kein Blatt vor den Mund: entsetzlich, völlig daneben, keine Qualität. „Es ist für mich unbegreiflich, was das teilweise für schlechte Drehbücher sind. Und ich wundere mich, dass der WDR für so einen Mist Geld ausgibt. Ich kann das nicht kapieren.“

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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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Felix Püschner

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