Tierarztbesuch in Corona-Zeiten: Manche Kunden werden pampig

mlzHaustiere

In der Tierarztpraxis von Stefanie Mors gibt es auch in Zeiten von Corona einiges zu tun. Tierbesitzer müssen aufgrund der Abstandsregeln länger warten - manche haben kein Verständnis dafür.

Werne

, 19.04.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Verschärfte Abstands- und Hygieneregeln gibt es in Zeiten von Corona auch in den Tierarztpraxen. Der Desinfektionsmittelverbrauch ist in der Praxis von Stefanie Mors (49) an der Steinstraße seit Beginn der Corona-Krise rapide gestiegen. Wie viel sie und ihre Mitarbeiter am Tag versprühen, zählt sie gar nicht mehr mit. Behandlungstisch, Anmeldung, EC-Kartenlesegerät, Hände und Türklinken werden nach jedem Kunden desinfiziert. Damit die sich nicht gegenseitig anstecken, gibt es zusätzlich einen Desinfektionsspender am Eingang.

Höchstens zwei Patienten dürfen sich gleichzeitig in der Praxis aufhalten. Dadurch kommt es bisweilen zu längeren Wartezeiten. „Man kann gerade nicht einfach so reinschlönzen und spontan sein Tier impfen lassen“, so Mors. Auch das Abholen von Medikamenten sollte bestenfalls telefonisch angekündigt werden. Wer unangekündigt vorbeischaut, muss in der Regel vor der Tür warten.

Die Familie muss Zuhause bleiben

Zudem sollten die Tierhalter einzeln kommen und nicht die Familie mitbringen - auch die müsste dann vor der Tür warten. „Manche Tierbesitzer nehmen das nicht so gut auf und reagieren pampig, wenn sie nicht spontan ihren Wunschtermin bekommen. Die meisten sind aber verständnisvoll“, so Mors.

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Inzwischen sei wieder Normalität in der Praxis eingekehrt. Kamen zu Beginn der Krise noch weniger Patienten in die Praxis, sei der Kundenstrom nun beinahe wieder normal. „Da ist es ganz schön schwierig, die Termine zu verteilen“, erzählt die Tierärztin. An den tierischen Patienten habe sich in Zeiten von Corona aber nichts verändert - sie kämen mit denselben kleinen und großen Wehwehchen wie sonst auch zu ihr. Auch Impfungen und andere Routineuntersuchungen seien möglich.

Kartenzahlung und Medikamentenhamstern

Die Tierbesitzer indes verhielten sich anders als gewohnt. Kartenzahlungen seien beliebter geworden. Auch das Hamstern von Medikamenten sei schon vorgekommen, berichtet die Ärztin: „Da holen die Tierbesitzer dann direkt drei Packungen Herztabletten statt nur einer. Das ist aber nicht die Regel.“ Zum Verschicken der Medikamente fehlt den Tierarztpraxen die Erlaubnis.

Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen sei die Stimmung in der Praxis super: „Wir sind alle gesund und dankbar, dass wir arbeiten und den Tieren helfen können.“

In anderen Tierarztpraxen wurden die Sicherheitsmaßnahmen so sehr verschärft, dass die Tierbesitzer nicht mehr mit in den Behandlungsraum dürfen. Das Tier wird dort an der Tür abgegeben und drinnen untersucht. Der Tierhalter telefoniert dann mit der Ärztin und bekommt sein Tier an der Tür zurück.

Händewaschen ist eine gute Sache

Mors hält davon gar nichts: „Bei einer Katze ist das vielleicht noch möglich, aber Hunde sind häufig so auf ihre Besitzer fixiert, dass sie alleine in der Praxis ganz panisch würden.“ Deshalb darf der Tierhalter bei ihr mit den Behandlungsraum, muss aber vom Tisch Abstand halten. Corona sei bei den Gesprächen mit den Tierhaltern trotzdem selten ein Thema. Die Sorge um das eigene Tier sei in den meisten Fällen größer.

Und was hält die Ärztin von der Theorie, dass sich Corona über das Fell von Tieren verbreitet? „Es ist immer gut, sich die Hände zu waschen, wenn man Tiere gestreichelt hat. Ich glaube nicht, dass sich Corona darüber überträgt. Bewiesen ist das wie so vieles aber nicht. Wir wissen viel zu wenig über das Virus, deshalb sollten wir einfach vorsichtig sein.“

Auch Wurmeier oder Milben könnten beispielsweise im Fell der Haustiere stecken, die man sich dann im schlimmsten Fall ins Gesicht reibe. Daher sei eine grundsätzliche Händewasch-Routine auch losgelöst von Corona eine gute Sache.

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