Titten, Trubel, Arbeitslose: Der satirische Video-Jahresrückblick 2019 für Werne

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Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende zu. Zeit für einen Rückblick – und den nehmen wir in unserem Video in nicht ganz so ernster Form vor. Die Themen reichen von Politik am Tresen bis Sexismus am Ampelmast.

Werne

, 30.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Themenmäßig hatte des Jahr 2019 in Werne eine Menge zu bieten: Könige, Ärger mit dem Jobcenter, kuriose Verkehrsmaßnahmen, potentieller Sexismus und Frust für Pendler. Für unseren Jahresrückblick haben wir uns ein paar Rosinen herausgepickt. Die gibt‘s im Video sowie unten zum Nachlesen (mit ein paar Zugaben). Aber Vorsicht: Ist alles nur Satire!

Video
Titten, Trubel, Arbeitslose: Der satirische Video-Jahresrückblick 2019 für Werne

Titten, Trubel, Arbeitslose: Der satirische Video-Jahresrückblick 2019 für Werne

Lange Gesichter: Bei der Stadt war man nicht sehr erfreut über die Verzögerung beim Neubau der Wiehagenschule. © Jörg Heckenkamp

Nachsitzen in der Wiehagenschule

Darauf haben die Schüler der Wiehagenschule lange gewartet: Der Neubau an der Stockumer Straße ist pünktlich nach den Herbstferien 2019 bezugsfertig. Aber Moment mal... Pünktlich? War hier gar nix. Denn eigentlich sollten die Schüler bereits nach den Sommerferien in ihr neues Domizil ziehen. Im Mai ruft die Stadt spontan zur Pressekonferenz. Tenor: „Sorry, wir schaffen es nicht rechtzeitig. Der Estrich trocknet zu langsam.“

Ein paar Tage später verkündet sie dann im Ausschuss: Der wahre Grund für die Verzögerung ist der Knatsch mit dem Architekten. Und die ganze Chose dauert jetzt nicht nur länger, sondern wird auch teurer. „Noch mal sorry – diesmal für die Lüge“, sagt die Stadt und führt ein neues Unterrichtsfach ein: Ethik. Ist jetzt verbindlich, vor allem für städtische Mitarbeiter.

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Simjü, Sim-Jü oder Sim Jü. Bei der Schreibweise des wohl größten Volksfestes an der Lippe, herrschte Unklarheit. © Sylva Witzig

Simjü und der Verfall der Sprache

Werne ohne das wohl größte Volksfest an der Lippe? Unvorstellbar. Und wie schreibt man das noch gleich... Simjü, Sim-Jü oder doch Sim Jü? Da scheiden sich die Geister. Für den Traditionalisten ist die Sache klar: Der Bindestrich muss sein – kann ja sonst praktisch keiner aussprechen. Dummerweise taucht dieser Strich in dem Logo, mit dem seit einer gefühlten Ewigkeit für die Kirmes geworben wird, aber gar nicht auf.

Und auch die Generation Internet scheint auf das kleine aber feine Zeichen keinen besonderen Wert zu legen. Nach Sim-Jü sucht laut Google-Statistik nämlich niemand. Nach Sim Jü allerdings schon. Genauso wie nach Simjü. Ein sprachgeschichtliches Fiasko. Der Verfall der deutschen Sprache zeigt sich jetzt also auch schon in Wernes ganzem Stolz. Na dann gute Nacht!

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Bürgermeister Lothar Christ empfing König Jeff Mafiana und seine Frau Rosemary Ngozi Mafiana. Das Königspaar war in Werne zu Besuch, um Musiker Toni Tuklan zum Sprecher des Königs zu weihen. © Felix Püschner

König Tuklan lässt grüßen

Royales Flair in der Lippestadt! Ein Werner Bürger ist jetzt in königlicher Mission unterwegs. Im Juli gibt‘s aus gegebenem Anlass sogar eine Zeremonie auf dem Partyboot. Mit dabei: His Royal Majesty Obi Jeff Mafiana Eze-Anochie IX, Obi Agba Onicha Olona. Der gute Jeff hat den weiten Weg aus Nigeria extra auf sich genommen, um hier seinen persönlichen Sprecher zu küren.

Bürgermeister Lothar Christ, der den Staatsbesuch empfängt, dürfte sich die Hände gerieben haben. Allerdings ging Wernes „König“ leer aus. Der Boss aus Nigeria ernennt stattdessen Reggae-Musiker Toni Tuklan zum „Mund des Königs“. Da schaut das Werner Stadtoberhaupt dumm aus der Wäsche – ist aber erleichtert, dass es in der Öffentlichkeit zuvor keine große Lippe riskiert hat.

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Mit dieser elektronischen Anzeigetafel wollte die Stadt Raser ausbremsen. Allerdings funktionierte die Tafel nie. © Felix Püschner

Messtafeln außer Dienst

Verkehrsteilnehmer aufgepasst: Hier kommt eine Anzeige-Tafel – die ihr getrost ignorieren dürft. Zumindest war das im Falle des elektronischen Dialog-Displays, das Raser ausbremsen sollte, lange so. Die Tafel zeigt nach einer Sensorenmessung entweder einen grünen „Danke“-Schriftzug oder ein rotes „Langsamer“ an. Der Fahrzeugführer darf sich also gerügt oder geschmeichelt fühlen – je nachdem, wie schnell er unterwegs war.

Eine psychologische Wirkung soll so etwas haben. So weit der Plan. Die Realität sieht anders aus: Drei Wochen hing das gute Stück in der Lohstraße. Dort hatte die Polizei zuvor verstärkt Geschwindigkeitsverstöße festgestellt. Funktionsfähig war das Display während seines Gastspiels aber nie. Die Stadt nahm es daraufhin ab. Problem gelöst! Einfache Logik statt komplexer Psychologie.

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Geschafft! Solebad-Chef Jürgen Thöne vor dem neuen Bad am Hagen. Ganz reibungslos lief die Geschichte allerdings nicht ab. © Jörg Heckenkamp

Nass gemacht im Solebad

Ach wie schön, jetzt können alle wieder planschen und ihren Spaß haben. Das neue Solebad hat im April seine Schleusen geöffnet – mit Familienbad, Sportbad, Freibad, Rutsche und Textilsauna. Hübsch ist es geworden. Richtig modern. Alles bestens! Na gut, ganz im Zeitplan ist man nicht geblieben. Und ja, die Nummer wurde um einiges teurer als geplant. Außerdem werden die Mitarbeiter nicht nach Tarif bezahlt.

Und zugegeben: Der Belegungsplan sorgt bisweilen für „Interessenskonflikte“, wie es Badleiter Jürgen Thöne formuliert. Spätestens seit der Schließung des Lehrschwimmbeckens in Stockum wird‘s nämlich eng am Hagen. Das sagen zumindest 90 Prozent unserer rund 400 Umfrage-Teilnehmer. Der Badchef nimmt das Ergebnis cool zur Kenntnis: „Es läuft gut.“ Erhitzte Gemüter sieht er nur in der Sauna.

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Uta Leisentritt ärgerte sich über ihre Teilnahme am Job-Speed-Dating des Job-Centers in Lünen. Außer Spesen nichts gewesen. © Jörg Heckenkamp

Versetzt beim Job-Speed-Dating

Stell dir vor, du fieberst deinem ersten Date mit einer potentiellen neuen Liebe entgegen. Jemandem, mit dem du einen Großteil deines zukünftigen Lebens verbringen könntest. Die Vorfreude ist groß, Schmetterlinge flattern im Bauch, das Herz schlägt Purzelbäume... Und dann sitzt du zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Treffpunkt, aber keiner kommt. So ähnlich ging es Unternehmerin Uta Leisentritt.

Beim Job-Speed-Dating des Jobcenters wurde sie bitter enttäuscht. 23 Arbeitssuchende sollten an dem Tag an ihrem Tisch Platz nehmen und im Idealfall langfristig einen Job bekommen. Zehn der Listenkandidaten kamen aber gar nicht erst zum Date. Und die, die da waren, hatten entweder keine Qualifizierung oder keinen Bock auf Maloche. Schlappe 360.000 Euro kostete die Veranstaltung. Da freut sich doch der Steuerzahler.

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Darko Vukovic vom Hahnenbalken möchte in den Rat. Seine Kneipe betreibt er aber weiter. © Foto: Vanessa Trinkwald

Von der Theke in den Rat

Meint der das ernst? Ja, tut er! Hahnenbalken-Inhaber Darko Vukovic will vom Tresen ins Rathaus. Der Grund: Die Außendarstellung der Politik hält er für ausbaufähig. Vieles, was die Leute da oben im Rathaus so diskutieren und beschließen, komme bei denen da unten an der Basis – also etwa am Tresen – nämlich nicht so recht an. Und wenn überhaupt, dann versteht‘s kaum einer.

Natürlich sei nicht alles schlecht, sagt Vukovic. Es gehe aber auch „darum, wie man es verkauft“. Und wer kann das schon besser als ein erfahrener Gastronom? Bei der Kommunalwahl 2020 können die Werner ihr Kreuzchen für Vukovic also nicht nur auf dem Bierdeckel hinterlassen, sondern auch auf dem Wahlzettel. Und sie können beruhigt sein: Die Kneipe will er weiter führen.

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Die Bahnstrecke zwischen Dortmund und Münster wird zur Baustelle - und stellt die Pendler auf eine harte Geduldsprobe. © Jörg Heckenkamp

Pendler auf dem Abstellgleis

Och nööö... Da kommen die Züge doch ohnehin schon viel zu oft zu spät oder auch gar nicht – und jetzt auch noch das! Gerade erst sind die Pendler auf der Strecke zwischen Münster und Dortmund den Schienenersatzverkehr losgeworden, da bahnt sich schon das nächste Unheil an. Von Januar bis August 2020 heißt es nämlich wieder: Bus statt Bahn. Gut, die Entscheidung, den Bahndamm zu erneuern, ist nicht von heute auf morgen gefallen.

Und netterweise hat die Deutsche Bahn die Umsetzung ja bereits im April angekündigt. Aber so eine mehrmonatige Vollsperrung in Teilbereichen der Strecke hat‘s natürlich in sich. Da kannste als Bürgermeister noch so viele Bahngipfel einberufen – hilft ja nix. Immerhin treffen sich die Oberhäupter der betroffenen Städte nun öfter zur Stammtischrunde. Nette Verbindung.

Titten, Trubel, Arbeitslose: Der satirische Video-Jahresrückblick 2019 für Werne

Diese Aufkleber sorgten für Aufsehen: Die Fußballer des SuS Rünthe hatten in Werne ganz besondere Sticker hinterlassen. © Privat

Reizende Aufkleber

Und jetzt alle schnell das Panini-Album aus dem Keller holen und Platz schaffen für eine Sonderedition! Sammler sollten schnell sein, denn die Stückzahl der Aufkleber mit der leicht bekleideten Blondine und dem Schriftzug „Zeig mal Titten für den SuS 08“ ist begrenzt. Wernes Nachbarn vom anderen Lippe-Ufer haben sich für ihren Trip nach Malle etwas ganz Besonderes einfallen lassen.

Die Sticker findet man im November auch an manch einem Ampelmast in Werne. So viel Erotik lag hier nicht mehr in der Luft, seit sich das ehemalige Porno-Sternchen Mia Julia aus der Lippestadt verabschiedet hat. Dem Vorstand des Vereins aus Bergkamen-Rünthe war die ganze Nummer ziemlich peinlich. Von einer Sexismus-Debatte wollte man allerdings nichts wissen. Blöde Sache, diese Bierlaunen.

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