Schlachthof geschlossen: Große Sorgen bei heimischen Schweinezüchtern

mlzLandwirtschaft in Werne

Die Untersuchungen laufen, ob und unter welchen Bedingungen der Tönnies-Schlachtbetrieb im Kreis Gütersloh wieder an den Start gehen kann. Werner Landwirte verfolgen die Debatte mit Argusaugen.

Werne

, 09.07.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die corona-bedingte Schließung des großen Tönnies-Schlachtbetriebes in Rheda-Wiedenbrück beschäftigt derzeit die Behörden. Sie prüfen, unter welchen Voraussetzungen die Fleischfabrik wieder an den Start gehen kann. Mehr als 1400 Tönnies-Mitarbeiter haben sich mit dem Coronavirus infiziert.

Auch aus Werne geht der Blick etlicher Landwirte, die Schweine halten, Richtung Rheda-Wiedenbrück. „Wir haben aktuell Schwierigkeiten, die schlachtreifen Tiere loszuwerden“, sagt Philipp Schulze Twenhöven. Für die nächsten drei Wochen sehe er noch nicht ganz schwarz, „das müsste noch klappen“. Allerdings seien die Preise gefallen. Unter anderem, weil China seine Einfuhren gedrosselt habe.

Schweinetransporter fahren jetzt Richtung Leipzig

Über den Viehhandel- und Transport-Unternehmer Venneker arbeitet der Hof Schulze Twenhöven mit Tönnies zusammen. Aktuell gingen die Schweine zum Schlachten nicht nach Rheda-Wiedenbrück, sondern zum anderen Schlacht-Standort von Tönnies in die Nähe von Leipzig.

Das bedeute längere Transportwege, mehr Stress für die Tiere und höhere Kosten. Philipp Schulze Twenhöven macht sich Sorgen: „Wir bekommen weniger für die Tiere, aber haben höhere Kosten.“ Er hoffe, dass demnächst in Rheda-Wiedenbrück zumindest die halbe Schlachtkapazität wieder zur Verfügung stehen kann, damit es keinen Stau im Stall gibt.

Werner Schweinehalter machen sich nach der Schließung des großen Tönnies-Schlachthofes Sorgen.

Werner Schweinehalter machen sich nach der Schließung des großen Tönnies-Schlachthofes Sorgen. © dpa (A)

Etwas entspannter ist im Moment noch Kollege Hubert Glitz mit seiner Aufzucht-Mast. „Wir sind momentan nicht direkt betroffen, da wir mit Westfleisch zusammenarbeiten. Über die RVG Werne gehen die Tiere an Westfleisch“, sagt der 37-Jährige. Allerdings könne die Raiffeisen Viehvermarktung GmbH nicht alle Tiere bei Westfleisch abliefern, „die arbeiten auch nicht auf 100 Prozent“. Der Hof Glitz verfügt über rund 4000 Mastplätze.

Durch die Verbindung zur RVG „werden wir unsere Schweine los“, sagt Glitz. Jedenfalls im Moment. Jede Woche gingen Tiere auf die Reise zu den Schlachthöfen. Allerdings beklagt auch er einen corona-bedingten Preisverfall bei den Schweinen.

Kurios: Mehr Gewicht, weniger Geld fürs Schwein

Der Herberner Schweinemäster Christoph Selhorst verwies in einem Gespräch mit dieser Redaktion noch auf ein weiteres Phänomen. Dadurch, dass die Schweine oftmals länger in den Ställen stehen, legen sie an Gewicht zu.

Dieses Mehrgewicht führe aber nicht zu Mehreinnahmen, sondern im Gegenteil zu Abzügen beim Preis für ein Tier. Denn die gesamte Fleischproduktions-Kette ist auf bestimmte Maße eingestellt. Werden die unter- oder überschritten, müssen etwa die Zerlegebetriebe anders als gewohnt und damit kostenintensiver arbeiten.

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