Trotz leerer Kasse: Werne sucht Museumschef

Leiterin geht in Rente

Das meist besuchte Museum im Kreis Unna sucht eine neue Leitung. Die amtierende Historikerin Hannelore Fertig-Möller wird am Sonntag 65 Jahre alt und geht zum 1. Mai 2016 in Rente. Bei der Nachfolge wünscht sich die Stadt vor allem eins: fachliche Kompetenz. Gleichzeitig will sie allerdings auch sparen.

WERNE

, 08.12.2015, 13:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt plant Einsparungen in Höhe von 30.000 Euro im Jahr. Gleichzeitig wünscht sie sich weiterhin einen Historiker an der Spitze des vor 57 Jahren gegründeten Museums.

Dezernentin Elke Kappen stellte am Montag einen Kompromiss vor, der dies möglich machen soll: Die hauptamtliche Fachkraft soll lediglich eine 30-Stunden-Stelle mit 50.000 Euro Jahresverdienst bekommen.

Ein Verbundsmuseum ist keine Option 

Zur Diskussion standen auch einschneidendere Maßnahmen. Sowohl die Gründung eines Verbundsmuseums mit Bergkamen oder Lünen, als auch die Übernahme durch eine private Trägerschaft, wie den Förderverein. Beide Optionen lehnten der Kulturausschuss und der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt ab.

"Wir können uns zwar eine punktuelle Zusammenarbeit mit den Nachbarmuseen vorstellen", so Kappen, "aber keine gemeinsame Leitung". Die Ausrichtung des Bergkamener Museums auf die Geschichte der alten Römer im Ruhrgebiet sei zu speziell. Und für eine Zusammenarbeit mit Lünen, das zur Zeit unter ehrenamtlicher Leitung steht, sei der Werner Fokus zu eng. "Zur Zeit ist unser Museum ein Aushängeschild für die mittelalterliche Innenstadt", so Kappen.

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Bei einer Verbundslösung hätte sich die neue Leitung außerdem schnell aufgerieben. Gremiensitzungen in beiden Städten und die Kontaktpflege mit ehrenamtlichen und Sponsoren. Der neue Chef oder die neue Chefin solle diese Zeit lieber in konzeptionelle Arbeit investieren, meint Kappen." Ideen für eine konzeptionelle Neuausrichtung, Aufstellung in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein, dem Förderverein des Museums und dem neuen Verein Freunde der historischen Altstadt Werne".

Bislang nur eine Museumschefin in Werne

Heidelore Fertig-Möller geht nach 36 Berufsjahren in den Ruhestand. Sie ist die erste und bislang einzige hauptamtliche Museumschefin in Werne. Heimatvereinsvorsitzender und Realschullehrer Karl Pollender hatte das Heimatmuseum 1962 gegründet. Damals bestand es noch aus nur zwei Räumen. Im August 1979, als die Historikerin Fertig-Möller ihre Stelle antrat, liefen gerade die Umbauarbeiten.1981 fand die Eröffnung des von ihr neu konzeptionierten Stadtmuseums statt.

Zurzeit zählt das Museum vier Mitarbeiter: neben der Leiterin eine Verwaltungskraft in Teilzeit (30 Wochenstunden) sowie zwei Honorarkräfte. Die jährlichen Personalkosten belaufen sich somit auf 106.000 Euro zuzüglich 4.200 Euro Honorarkosten. "Jedem muss klar sein, dass es sich bei dem Museum um eine freiwillige Leistung handelt", sagte Kappen - also ein Angebot, dass die Stadt auch streichen könne. Das wäre auch ein riesen Fehler, sagte Fertig-Möller. 

Stand jetzt bleibt der Eintritt frei

"Seit 1980 sind 700.000 Besucher in unser Museum gekommen - mehr als in irgendein anderes Museum im Kreis Unna", so Fertig-Möller. Ob die Schädel erster Werner Siedler oder die Urkunden aus dem Mittelalter, die den Wernern das Marktrecht bescheinigen: Die Exponate auf drei Etagen ziehen Menschen aus der ganzen Region an, auch weil der Eintritt frei ist. "Das zu ändern, ist aber in der politischen Diskussion kein Thema gewesen", versichert Kappen.

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