Trotz wenig Geld voller Optimismus

Hartz IV

Anja Bispinghoff lässt sich nicht unterkriegen. Sie lacht. Eine echte Frohnatur ist die 36-Jährige. Kopf hoch, auch wenn der Hals schmutzig ist, lautet ihre Devise. Die Alleinerziehende lebt mit ihren beiden Kindern seit 2005 von Hartz IV.

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von Von Helga Felgenträger

, 29.04.2011, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Anja Bispinghoff trifft bei ihren Kindern den richtigen Ton: Sie lachen gerne.

Anja Bispinghoff trifft bei ihren Kindern den richtigen Ton: Sie lachen gerne.

Aber das sei kein Grund, sich zu verstecken. Mit ihrer Lebenssituation geht sie offen um. Drüber reden, ist die beste Methode, um Probleme zu lösen, davon ist sie überzeugt. Bei ihrer Mutter spricht sie sich aus. Auch ihre Freunde wissen Bescheid. "Wenn ich mit meiner Freundin shoppen gehe, kauft sie acht Teile und ich vielleicht eine Kleinigkeit". An Klamotten kaufen sei nicht zu denken. Urlaub auch nicht.

Sie bekommt 364 Euro Grundbetrag Arbeitslosengeld II plus 251 Euro pro Kind, 131 Euro Mehrbedarf für Alleinerziehende, 361 Euro für ihre Kaltmiete. Das Kindergeld wird angerechnet. Am ersten des Monats werden ihr 832 Euro aufs Konto überwiesen.

Miguel (10) und Alicia (7) schwänzeln um ihre Mutter herum. Der Sohnemann ist eingeschworener BVB-Fan, und mit Mama Fußball schauen, ist das Höchste. Ihre Tochter bastelt gerne, macht Musik und darf im nächsten Schuljahr Keyboard spielen. Das Instrument (Jeki ) wird gestellt.Zusätzliches Geld durch Taxifahren

Beide gehen zur Uhlandschule, die gleich gegenüber ist. Der kurze Schulweg ist ganz praktisch, denn dreimal in der Woche sind sie morgens auf sich gestellt. Anja geht an drei Tagen arbeiten, fährt Taxi, um sich etwas zum Arbeitslosengeld II hinzu zu verdienen. "Zur Kontrolle rufe ich dann alle 15 Minuten an".

Und kurz vor acht fährt sie mit dem Taxi vor, um nachzuschauen, ob die Kinder rechtzeitig losgegangen sind. Von dem Zuverdienst (336 Euro) darf sie nur 150 Euro behalten. "Der Rest wird auf ihre öffentliche Unterstützung angerechnet".

Von ihrem Mann hat sie sich getrennt, als ihre Tochter Alicia ein halbes Jahr alt war. Das Sorgerecht für seine Kinder habe er freiwillig abgegeben, er bezahle auch keinen Unterhalt, erläutert sie die Begründung, er habe kein Geld. Sie ärgert sich nicht mehr, schließlich habe sie auch kein Geld.59-Quadratmeter-Wohnung

Die Familie wohnt in einer Dreizimmer-Wohnung (59 Quadratmeter). Damit beide Kinder ihr eigenes Zimmer haben, schläft sie im Wohnzimmer, räumt jeden Morgen ihr Bettzeug weg und begnügt sich ohne eigenes Zimmer. Eine größere Wohnung scheiterte jetzt an 3,50 Euro. "Ich hätte eine 85 Quadratmeter große Wohnung bekommen können, aber rechtlich stehen uns nur 75 Quadratmeter zu".

Aber irgendwann wird es auch mal wieder besser, ist sie optimistisch, denkt positiv, hofft irgendwann auch wieder auf ein eigenes Auto. "In fünf bis sechs Jahren kann ich sicher einen richtigen Job annehmen", vertraut sie weiter auf die gute Entwicklung ihrer Kinder, die zur Selbstständigkeit erzogen werden.

 

 

 

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