Trotz Zensus - offizielle Daten varieren

Einwohner-Zahlen

Laut Zensus 2011 leben in Werne 29.614 Einwohner. Über zwei Drittel gehören dem christlichen Glauben an - Tendenz fallend. Doch mit den Zahlen ist das so eine Sache, wie Sven Henning vom Verwaltungsservice erklärt.

WERNE

von Von Jörg Heckenkamp

, 12.11.2013, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die St.-Christophorus-Kirche ist die Kirche in der Innenstadt. Weit über die Hälfte der Werner sind Katholiken.

Die St.-Christophorus-Kirche ist die Kirche in der Innenstadt. Weit über die Hälfte der Werner sind Katholiken.

Wer nach der Einwohnerzahl Wernes fragt, bekommt oft die Antwort: 30.000. Eine schöne, runde, gefällige Zahl, die eine gewisse Größe des Gemeinwesens vermittelt. Nur: Sie stimmt nicht. Denn längst ist die Lippestadt unter diese magische Grenze gerutscht. Sagt jedenfalls das Landesamt für Statistik, das heute IT. NRW heißt, in seiner neuesten Berechnung zur Verteilung von Konfessionen (siehe Grafik oben). Demnach wohnten zum Stichtag der jüngsten Bevölkerungsermittlung, dem sogenannten Zensus am 9. Mai 2011, genau 29.614 Menschen in der Stadt. Das ist die offizielle Bewohnerzahl. Doch es gibt weitere, ebenfalls offiziell verwendete Daten. Alle unterschiedlich. Und alle auf ihre Weise gültig, wie Sven Henning vom Verwaltungsservice erklärt.

  •  Zensus 9. Mai 2011: 29.614 Einwohner.
  •  31. Dezember 2011: Zahl der Haupt- und Nebenwohnsitze: 31.194 
  •  9. Mai 2011: Einwohnermelderegister, Hauptwohnsitz: 30.294.
  •  31.5.2011: Hochrechnungen der Volkszählung 1987: 29.840.

Den Zensus-2011-Zahlen, wiewohl gültig, traut Henning nicht so recht. „Das war schließlich keine Vollerhebung wie 1987, sondern ein Registerabgleich mit stichprobenartiger Befragung.“ Mittels diverser Register und komplizierter Verfahren sei IT.NRW zu seinen Resultaten gekommen. Die laut Henning eine gewisse Fehlertoleranz beinhalten.

Er nennt ein fiktives Beispiel: Interviewer haben bei den Stichproben vor Ort festgestellt, dass fünf Prozent der Befragten nicht mit dem Melderegister übereinstimmen (etwa, weil sie sich nicht ordnungsgemäß an- oder abgemeldet haben). Diese fünf Prozent hätten die Statistiker dann nach einem mathematisch-statistischen Verfahren für das gesamte Stadtgebiet hochgerechnet, obwohl die Realität vor Ort vielleicht anders aussieht. Hennings Schluss aus dem Zahlensalat: „Wir vertrauen bei den Projekten vor Ort eher den Angaben in unserem Melderegister. Dies ist auch sinnvoll, da wir so die Daten örtlich eingrenzen können.“ Etwa um einzuschätzen, wie sich die Zahl schulpflichtiger Kinder in einem Neubaugebiet entwickelt. „Das können die Daten von IT.NRW nicht.“ Nun könnte es einem ja herzlich egal sein, ob Werne ein paar Hundert Einwohner mehr oder weniger hat, ob die Stadt die 30.000er-Grenze schafft oder nicht. Doch jeder Einwohner mehr bringt auch etwas mehr an Geld vom Land. Zudem ist die Grenze von 30.000 entscheidend für die Größe des Stadtrates. Sinkt sie unter diese Marke, ist es möglich, das Kommunalparlament zu verkleinern. Das hat der Stadtrat allerdings abgelehnt. 

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