Unseriöse Spendensammler in Werne unterwegs

Tipps und Hinweise

Sie sind meistens jung, höflich und hartnäckig – Männer und Frauen, die in der Fußgängerzone Passanten ansprechen und um Spenden werben. Meist handelt es sich dabei um Betrug. Wir haben mit der Polizei gesprochen und erklären die Maschen der Spendensammler. Denn auch in Werne gab es Heiligabend einen Fall...

WERNE

, 30.12.2016, 07:06 Uhr / Lesedauer: 1 min
Auf die Mitleids- oder die Tiermasche setzen betrügerische Spendensammler, die den Leuten das Geld für eigene Zwecke aus der Tasche ziehen wollen. So geschehen laut einem RN-Leser an Heiligabend in Werne.

Auf die Mitleids- oder die Tiermasche setzen betrügerische Spendensammler, die den Leuten das Geld für eigene Zwecke aus der Tasche ziehen wollen. So geschehen laut einem RN-Leser an Heiligabend in Werne.

Der Verdacht kam dem Ruhr Nachrichten-Leser schnell, als ihm am Morgen des 24. Dezember eine junge Frau auf der Konrad-Adenauer-Straße zwischen Hornecenter und Partnerschaftsuhr auffiel. „Sie sammelte für Taubstumme. Als ich sie ansprach, tat sie so, als sei sie stumm und deutete nur auf das Formular auf ihrem Klemmbrett.“ Die Angesprochenen sollten per Unterschrift ihre Solidarität mit Behinderten bekunden und fünf Euro spenden.

„Aha“, sagt Polizeisprecher Thomas Röwekamp auf RN-Anfrage, „das hört sich nach einer ganz bekannten Betrugsmasche an, um die Leute über den Leisten zu ziehen.“ Es gäbe zwei große Felder, auf denen die meisten dieser Organisationen arbeiteten: die Mitleidsmasche und die Tiermasche. Röwekamp erinnert an angebliche Zirkusmitarbeiter, die mit dem Lama in der Fußgängerzone um Zuwendungen bitten. Röwekamp: „So viele Zirkusse gibt es ja gar nicht.“

Wenige Leute zeigen die Sammler an

Eine aktuelle Welle solcher unseriösen Sammelteams stellt die Kreispolizei in Unna derzeit nicht fest. Doch solche Trupps tauchten immer wieder in den Städten des Kreises auf. Röwekamp: „Anzeigen haben wir in dieser Sache nicht vorliegen. Wer misstrauisch ist, gibt einfach nichts und schaltet nur selten die Polizei ein.“ Der Polizeisprecher rät spendenwilligen Bürgern von spontanen Spenden ab: „Man sollte sich informieren und nur seriösen Organisationen etwas geben.“

Diesen Rat haben aber nicht alle Bürger befolgt, sagt der RN-Leser: „Ich habe die Taubstummen-Sammlerin etwas beobachtet. Mindestens zwei Angesprochene haben jeweils fünf Euro gegeben.“ Wenig später sei sie dann mit anderen Sammlern in der Steinstraße aufgetaucht.

Hinweise für Menschen, die Spenden wollen

Was ihn zusätzlich stutzig machte: „Ich habe die junge Frau schon einmal vor einigen Monaten in Werne gesehen. Auch damals sammelte sie Spenden ein.“ Er habe selbstverständlich nichts gegeben. Doch was ist seine Intention, sich an die Zeitung zu wenden? „Ich meine“, sagt er, „man muss das mal öffentlich machen und die Menschen vor unseriösen Sammlern warnen.“

Tipps und Hinweise
Werden Sie gedrängt? Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen – weder per Post noch auf der Straße oder an der Haustür. Wenn Sie Bedenken haben, spenden Sie nichts.
Wird starkes Mitleid erzeugt? Aggressive, Mitleid oder Angst erzeugende sowie stark gefühlsbetonte Werbung sind Kennzeichen unseriöser Organisationen.
Wird Zeitdruck aufgebaut? Übertriebene Dringlichkeit sollte Sie misstrauisch machen.
Trägt die Organisation das Spendensiegel? Das Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) prüft die Art der Werbung, Aufsichtsstrukturen und die sparsame und satzungsgemäße Verwendung der Mittel. Es ist keine Garantie, aber ein guter Hinweis.
Ist die Organisation als gemeinnützig anerkannt? Spricht für gewisse Seriosität. Spenden bis 20 Prozent Ihrer Einkünfte können Sie steuerlich absetzen, bis 200 Euro reicht ein Einzahlungs- oder Buchungsbeleg.

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