Wer in der Weihnachtszeit an karitative Organisationen spendet, der sollte einige Dinge dabei beachten. © Christian Dubovan/Unsplash
Spenden in Weihnachtszeit

Verbraucher-Beraterin gibt Tipps zum richtigen Spenden vor Weihnachten

In der Vorweihnachtszeit wollen viele Menschen etwas Gutes tun und Geld an Hilfsorganisationen spenden. Worauf man achten sollte, damit das Geld auch ankommt, hat uns die Verbraucherzentrale erklärt.

Spendenzeit ist immer“, sagt Jutta Gülzow von der Verbraucherzentrale in Lünen, die auch für Werne zuständig ist. Doch gerade in der Weihnachtszeit werden die Spendenanschreiben häufiger, die Werbetrailer emotionaler und Spendenstände tauchen hier und da in den Innenstädten auf.

„Es ist erstmal schön, wenn man das eigenen Portemonnaie öffnen möchte und für eine gute Sache spenden will“, sagt Gülzow. Damit das Geld aber auch da ankomme, wo es helfen soll und nicht in Verwaltungskosten und Hochglanz-Werbung aufgehe, gebe es einige Dinge zu beachten.

Das DZI-Spendensiegel ist ein guter Indikator für die Zweckmäßigkeit

Ein guter Indikator für eine spendenwürdige Organisation ist das sogenannte DZI-Spendensiegel, das vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) verliehen wird. Wer das Siegel erhalten will, unterwirft sich einer freiwilligen, mehrmonatigen Prüfung durch das Institut. Unter anderem werden dabei die Aspekte Zielsetzung, Transparenz, Verhältnismäßigkeit der Mittelverwendung, Rechnungslegung und Prüfung sowie Werbung und Öffentlichkeitsarbeit beleuchtet.

Für Verwaltung und Werbung etwa sollten laut DZI insgesamt nur 10 bis unter 20 Prozent verwendet werden. „Das Siegel ist immer dann hilfreich, wenn ich eine Organisation nicht kenne“, so Gülzow. „Klar braucht es für Werbung und Personalkosten einen gewissen Kostensatz, aber wenn es darüber hinaus geht, dann könnte man die Mittel besser verwenden.“

Allerdings ist auch zu beachten: Vom DZI mit einem Spendensiegel versehen zu werden, kostet Geld. Und das kann sich nicht jede kleine Organisation leisten. Hier rät Gülzow: „Wenn ich aus meinem Umfeld Organisationen kenne und weiß, dass die die Spenden in dem Sinne nutzen, kann ich es auch so prüfen.“

Bei Spendenaufrufen per Post und auf der Straße ist Vorsicht geboten

„Bei sonstigen Organisationen, die per Post oder auf der Straße werben, da muss man schon sagen: Bei allen guten Gedanken, da muss man leider auch skeptisch sein. Da wird oft auf die Mitleidsdrüse gedrückt – Kinder, Tiere, da werden drastische Fotos genutzt, um Mitleid zu erwecken. Durch solche Mittel sollte man sich nicht blenden lassen und einen kühlen Kopf bewahren“, so Gülzow.

Wer beispielsweise einmal gespendet habe, der werde postalisch immer wieder dazu aufgefordert. „Viele fühlen sich dann moralisch verpflichtet, wenn sie eine Kleinigkeit zugeschickt bekommen“, erklärt Jutta Gülzow. „Kalender von Menschen mit Handicap oder Dinge, die gebastelt wurden. Da besteht keine Verpflichtung, das ist Versendung unbestellter Ware. Da muss man prüfen: Wer steckt dahinter und machen die vernünftige Arbeit?“

Gülzow empfiehlt, Spendenorganisationen mit einer gesunden Skepsis zu begegnen und nicht einfach Geld zu geben, „weil das geschickt eingefordert wird. Dann lieber vergleichen und wenn es mir nicht koscher erscheint: Es gibt ja genügend spendenwürdige Tätigkeiten“, so Gülzow. Ihr Tipp: „Lassen Sie sich nicht spontan zu irgendetwas hinreißen in der Fußgängerzone oder an der Tür. Sagen Sie lieber: ‚Schönen Dank, ich überleg‘s mir.‘“

Denn eine Überprüfung einer Organisation vor Ort sei oft schwierig. Wenn es sich um einen eingetragenen Verein handele, sei das schon mal ein gutes Kriterium. Dann ist es immer gut zu sagen: „Ich interessiere mich für Ihre Arbeit, haben Sie einen Jahresbericht oder eine Bilanz?“ Wenn dann gesagt werde, dass man diese nicht herausgebe, „dann ist das ein Kriterium, finde ich, zu sagen: Wenn die nicht transparent arbeiten, dann sollte man die nicht unterstützen“, so die Verbraucherberaterin.

Insbesondere zur Weihnachtszeit, wenn das Thema Spenden durch Medien oder Berichte der Verbraucherzentrale aufgegriffen würde, vermerkt die Verbraucherzentrale in Lünen erhöhte Beratungsnachfragen zu dem Thema. Darunter auch Personen, die massiv von Spendenorganisationen angeschrieben würden, so Gülzow.

  • Den aktuellen DZI-Almanach im kostenfreien PDF-Format finden Sie auf folgender Seite:bit.ly/2J6K3YU. Darin gibt das DZI Spendenorganisationen nicht nur Arbeitshinweise, sondern Spendern auch Tipps und kurze Profile zu einzelnen Organisationen. Außerdem warne das DZI auch vor bestimmten Organisationen, so Gülzow. Darüber hinaus finden Leser Statistiken zur Entwicklung des Spendenwesens in Deutschland im Laufe der Jahre.
  • Wer den Spendenalmanach lieber persönlich durchblättern möchte, kann sich ein Exemplar in den Räumen der Verbraucherzentrale in Lünen abholen. Wegen der Corona-Situation bittet Jutta Gülzow Interessierte aber, sich circa eine halbe Stunde vorher anzumelden.
Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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