Verhältnismäßig wenig Einsätze für Feuerwehr und Polizei – Bahn stellte Verkehr ein

mlzSturmtief Eberhard

Vielerorts hat das Sturmtief „Eberhard“ großen Schaden angerichtet. In Werne verzeichneten Polizei und Feuerwehr insgesamt neun Einsätze. Die Eurobahn stellte kurze Zeit den Betrieb ein.

Werne

, 11.03.2019, 13:54 Uhr / Lesedauer: 4 min

Das Sturmtief „Eberhard“ sorgte landesweit für Chaos und hunderte Einsätze. Entwurzelte und umgekippte Bäume versperrten Straßen und behinderten den Verkehr, die Bahn stellte den Regional- und Fernverkehr ein. Den ganzen Tag über waren an vielen Stellen Einsatzkräfte vor Ort, um die Auswirkungen des Sturms zu bekämpfen.

Auch die Werner Einsatzkräfte hatten alle Hände voll zu tun, um die Unwetterschäden im Stadtgebiet zu beseitigen. Mit insgesamt zwölf Einsatzstellen auf neun Einsätze verteilt, blieb es in Werne jedoch vergleichsweise ruhig, wie Dr. Bodo Bernsdorf, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr auf Anfrage bestätigt: „Wir haben uns auf stärkere Auswirkungen eingestellt.“

Meldekopf bei größeren Unwetterwarnungen Standardprozess

Für die Vorbereitung auf den Sturm am Sonntag richtete die Feuerwehr bereits um 12.15 Uhr einen sogenannten Meldekopf in der Wache ein. Der sollte sich um eingehende Einsatzmeldungen kümmern und sie selbstständig den Einsatzkräften zuordnen. „Der Meldekopf ist bei größeren Unwetterwarnungen ein Standardprozess“, so Bernsdorf. „Wir haben dafür speziell ausgebildete Leute, die die Aufgaben zentral in der Wache übernehmen.“

Vom sogenannten Meldekopf aus hat die Feuerwehr in Werne die Meldungen für ihre Einsätze bekommen.

Vom sogenannten Meldekopf aus hat die Feuerwehr in Werne die Meldungen für ihre Einsätze bekommen. © Freiwillige Feuerwehr Werne

Dabei übernimmt der Meldekopf vor allem die Aufgaben der eigentlichen kreisweiten Leitstelle. „In solchen Situationen, wie am Wochenende, reicht eine Leitstelle nicht mehr aus“, erklärt Bernsdorf weiter. „Die Bürger sollen mit ihren Notrufen direkt bei uns landen, damit wir die Einsätze selbstständig koordinieren können.“

Vier Einsatzkräfte dauerhaft in temporär eingerichteter Leitstelle

Mit insgesamt vier Mann war der Meldekof am Wochenende besetzt. Neben Einsatzleiter Thomas Temmann übernahmen drei Feuerwehrleute die Aufgaben in der Zentrale. Trotz Ankündigung des Sturms gegen 14 Uhr mit Windstärke 12, mussten die Einsatzkräfte erst am Nachmittag zum ersten Einsatz ausrücken.

Um 15.31 Uhr musste der Löschzug 1 Stadtmitte zum Hagebaumarkt an der Stockumer Straße ausrücken. Dort hatte sich ein Dach komplett von einer Gartenhütte getrennt und drohte in den Kreisverkehr zu wehen. Nur ein Werbeschild hielt es davon noch ab. Die Feuerwehr zerlegte das Dach und räumte die Trümmer in einen windstilleren Bereich. Eine weitere Hütte musste aus Sicherheitsgründen ebenfalls zerlegt und entfernt werden.

Am Hagebaumarkt mussten die Einsatzkräfte Gartenhütten abmontieren, da eine bereits ein Dach verloren hatte, eine andere eine Gefährdung darstellte.

Am Hagebaumarkt mussten die Einsatzkräfte Gartenhütten abmontieren, da eine bereits ein Dach verloren hatte, eine andere eine Gefährdung darstellte. © Freiwillige Feuerwehr Werne

Anschließend folgten die Einsätze bis in den Abend hinein Schlag auf Schlag. Vor allem umgestürzte Bäume erforderten ein Anrücken der Feuerwehrleute. Im Kirchhof-Mottenheim mussten die Einsatzkräfte Tannen entfernen, die umzustürzen drohten. Am Gerlingsbach war es dafür bereits zu spät: Ein Baum war auf die Fahrbahn gestürzt, die Feuerwehr musste ihn beseitigen.

Letzter Einsatz der Feuerwehr am Sonntag gegen 18 Uhr

Auf den Gehweg zwischen dem Sportplatz Lindert und dem Stadtwald stürzten sogar mehrere Bäume. Während des Einsatzes wurde zudem noch ein Baum auf dem Goetheweg vorgefunden und von den Einsatzkräften ebenfalls beseitigt. Auch im Hoerm und in der Straße An der Hustebecke zeigte sich den Einsatzkräften ein ähnliches Bild.

Den letzten Einsatz verzeichnete die Freiwillige Feuerwehr gegen 18 Uhr am Abend. An der Westmauer hielt in einer Baustelle auf der Burgstraße eine provisorische Wand aus Schaltafeln dem Winddruck nicht stand und die Tafeln stürzten auf die Straße. Die Feuerwehr entfernte die restliche einsturzgefährdete Konstruktion sowie das Material auf der Straße.

Die provisorische Wand an der Baustelle in der Burgstraße hielt den Sturmböen nicht stand.

Die provisorische Wand an der Baustelle in der Burgstraße hielt den Sturmböen nicht stand. © Freiwillige Feuerwehr Werne

Bereits am Samstag musste die Feuerwehr zu sturmbedingten Einsätzen ausrücken. Am Nachmittag hatten Sturmböen in der Tigge das Dach eines größeren Schuppens teilweise abgedeckt und dabei Fahrzeuge beschädigt. In Stockum stürzten drei Bäume auf die Hellstraße. Auf der Nordlippestraße wehte der Sturm Baumschnitt, der ungesichert gelagert war, auf die Landstraße.

Einsatzkräfte im Voraus auf den Sturm eingestellt

Für die insgesamt 45 ehrenamtlichen Einsatzkräfte endete der Sonntag dann gegen 19 Uhr, als die Leitstelle den Meldekopf wieder auflöste. Im weiteren Verlauf des Abends sei kein Einsatz mehr nötig gewesen, so Bernsdorf auf Anfrage. Die Sturmwarnung war auch gegen 20 Uhr aufgehoben worden.

Trotz verhältnismäßig weniger Einsätze, bedeutete das Wochenende und vor allem der Sonntag für alle Beteiligten zwei arbeitsintensive Tage. „Alle unsere ehrenamtlichen Einsatzkräfte haben sich auf das Wochenende und vor allem den Sonntag mit den Sturmwarnungen eingestellt“, meint der Pressesprecher der Feuerwehr Werne. Daher sei niemand überraschend zu einem Einsatz gerufen worden.

„Nach der ersten Alarmierung haben wir unsere Leute auch gar nicht mehr nach Hause geschickt“, so Bernsdorf weiter. „Sie sind dann in der Wache geblieben und bei den jeweiligen Meldungen zur Einsatzstelle ausgerückt.“ Erst am Abend, als sich auch der Meldekopf auflöste, ging es für alle nach Hause.

Polizei musste weder Unfälle, noch verletzte Personen vermelden

Obwohl einige Bäume oder andere Gegenstände auf Straßen stürzten und geweht wurden, verzeichnet die Kreispolizeibehörde Unna keinen sturmbedingten Verkehrsunfall in Werne. Insgesamt habe es von Samstagnachmittag, bis Sonntagabend nur die neun Einsätze an Gefahrenstellen gegeben, wie Polizeipressesprecher Thomas Röwekamp auf Anfrage bestätigt.

Verletzte habe es bei allen Einsätzen ebenfalls keine gegeben. Somit verzeichnet auch die Polizei ein verhältnismäßig ruhiges Wochenende, trotz insgesamt 95 sturmbedingter Einsätze im gesamten Kreisgebiet.

Eurobahn stellt mehrere Stunden den gesamten Bahnverkehr ein

Während der Straßenverkehr in Werne nur wenig vom Sturm betroffen war, merkte man die Auswirkungen beim Eurobahnbetreiber Keolis doch deutlicher. Zwischen Nachmittag und den frühen Abendstunden musste das Unternehmen den gesamten Betrieb einstellen. Auf der Strecke der RB50 war am Nachmittag außerdem ein Baum auf die Gleise gestürzt, weshalb für die Bahn auf der Strecke grundsätzlich kein Betrieb mehr in Frage kam.

„Die Ausfälle waren eine Sicherheitsmaßnahme, die wir bis ungefähr halb acht aufrecht gehalten haben“, so Nicole Pizzuti, Pressesprecherin der Keolis GmbH, auf Anfrage der Redaktion. Im Vorfeld seien bereits Vorsorgemaßnahmen getroffen worden, wie beispielsweise ein Busersatzverkehr für die Strecke zwischen Dortmund und Münster.

Bis Montagmittag war es stellenweise noch zu Verspätungen gekommen, so Pizzuti weiter. „Die Auswirkungen so eines Unwetter sind leider immer noch einige Stunden im Nachhinein bemerkbar“, so die Pressesprecherin. Während Aufräumarbeiten ein Grund für die Störungen gewesen seien, müssten die Züge, die zur Zeit des Sturms zentral abgestellt wurden, erst einmal wieder die Taktung aufnehmen.

Fußballspiele mussten sturmbedingt abgesagt werden

Auch abseits der Verkehrssituationen hatte der Sturm verschiedene Auswirkungen. Die Herberner Fußballerinnen sollten auswärts in Ibbenbüren spielen, das Spiel wurde aber von vornherein abgesagt, weil die Rasenplätze durch den Regen unbespielbar waren. Der SV Stockum hat auswärts in Bergkamen eine Halbzeit gespielt, in der Pause hatte der Schiedsrichter dann aufgrund des schlechten Wetters abgebrochen.

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