Eine ausgemergelte Kuh liegt am Boden. Das Amt machte es den Tierquälern leicht, meint unser Kommentator. © Soko Tierschutz e.V.
Meinung

Veterinäramt stellte Mecke einen Freifahrtschein zum Tierquälen aus

Ein Unternehmen mit hoher krimineller Energie trifft auf eine unterbesetze, starre Behörde - das Veterinäramt des Kreises Unna macht der Firma Mecke die brutalen Tier-Exzesse leicht. Ein Kommentar.

Keine Frage: Die Firma, besser gesagt die Firmen von Marko Mecke, legten eine hohe kriminelle Energie an den Tag, um auf dem Rücken von kranken und ausgelaugten Tieren ihren Profit zu machen. Noch schlimmer: Diese Tiere wurden zudem brutal gequält. Weil niemand aus der Aufsichtsbehörde den Tätern Einhalt geboten hat. Es musste erst die Soko Tierschutz kommen, um das schier Unglaubliche mit schockierendem Video-Material zu belegen.

Das Veterinäramt des Kreises stellte Mecke quasi einen Freifahrtschein zu dieser Tierquälerei aus. Zunächst sprach Kreis-Verbraucherschutz-Dezernent Uwe Hasche auf der Pressekonferenz am Dienstag von unangemeldeten Kontrollen. Um wenig später einzuräumen, dass diese Kontrollen nur an den Pferdetransport-Tagen stattgefunden haben. Das bedeutet, dass Mecke quasi die Kontrolleure selbst einmal pro Monat zum Transporttag gebeten hat.

Die Prüfer sahen nur erlaubte Pferde

Dann konnte sich der Prüfer davon überzeugen, dass in der nur für Pferde zugelassenen Tiersammelstelle an der Lünener Straße tatsächlich nur Pferde verladen wurden. Selbstverständlich ohne Spuren von Schlägen, Tritten, Stichen, Stromstößen. An den anderen Tagen des Monates konnten die Mecke-Schergen dort schalten und walten, wie sie wollten.

Ich kann es einfach nicht glauben, dass den Experten des Veterinäramtes nicht aufgefallen sein soll, dass neben den erlaubten Pferden dort auch etliche andere Tierarten gehalten bzw. gequält worden sind. Zeitdruck, Überforderung, Gleichgültigkeit? Oder sogar Kumpanei mit dem Unternehmen? Diese Fragen bleiben offen.

Stellen-Aufstockung hört sich zunächst gut an

Landrat Mario Löhr gab seinem Entsetzen über die brutalen Quälereien Ausdruck. Er wolle so etwas nie wieder sehen. Deshalb stockte man das Personal des Veterinäramts in zweistelliger Zahl auf. Mindestens zehn neue Kräfte bei insgesamt 47 vorhandenen hört sich zunächst gut an.

Doch ist diese Aufstockung nicht dem Entsetzen über die Vorgänge in der Viehsammelstelle geschuldet. Sondern vielmehr neuen gesetzlichen Anforderungen für Prüfungen bei Landwirten und Schlachtbetrieben. Aber immerhin – diese neuen Vorschriften scheinen im Sinne des Tierwohles und der Lebensmittel-Hygiene zu stehen.

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Jörg Heckenkamp

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