Viel Aufregung um einen „aufgespießten“ Storch

Attrappe soll Störche vertreiben

Ein angeblich „aufgespießter“ Storch auf einem Strommast sorgt bei den Mitarbeitern des Baubüros Gersteinhof in Werne-Stockum für erhebliche Aufruhr. Dabei handelte es sich nur um die falsche Beobachtung eines besorgten Tierfreundes.

Werne

, 12.02.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Stefan Schindelbauer vom Gersteinhof und Ingrid Mehring von der Westnetz GmbH in Münster präsentieren den Storch-Nachbau aus Plastik.

Stefan Schindelbauer vom Gersteinhof und Ingrid Mehring von der Westnetz GmbH in Münster präsentieren den Storch-Nachbau aus Plastik. © Claudia Hurek

Auf einem Hochspannungsmast nahe des Münsteraner Zoos sitzt ein Storch auf dem oberen Querträger. Für einen besorgten Anwohner sieht es aus der Ferne aus, als hätte ihn ein Teil des Mastes durchbohrt. Der Anwohner schlägt Alarm, der Naturschutzbund und die Medien schalten sich ein.

Baubüro in Stockum hat das Projekt ins Leben gerufen

Was der tierfreundliche Anwohner des Strommastes in Münster gesehen hat, ist ein Versuchsprojekt des für die Westnetz-Leitungen in dieser Region zuständigen Baubüros am Gersteinhof in Stockum. Eine Attrappe, die im besten Fall andere Störche vom Besuch des Mastes abhält. Warum? Weil der Kot der Großvögel zu Schäden führen kann.

Dort oben an einem Hochspannungsmast in Münster sitzt der Storch-Nachbau nun. Er soll seine echten Artgenossen abhalten, sich dort niederzulassen und die Leitungen mit Kot zu verdrecken.

Dort oben an einem Hochspannungsmast in Münster sitzt der Storch-Nachbau nun. Er soll seine echten Artgenossen abhalten, sich dort niederzulassen und die Leitungen mit Kot zu verdrecken. © Claudia Hurek

„Die Hinterlassenschaften können für einen Erdschluss sorgen, der zieht einen Lichtbogen nach sich“, sagt Stefan Schindelbauer, Leiter des Leistungsbereiches Gersteinhof Stockum. Solche Lichtbögen, ausgelöst durch den verbrennenden Vogelkot, haben schon häufig für Irritationen bei Anwohnern oder Autofahrern gesorgt.

„Hochspannungsmasten sind ein begehrter Wohnort für große Vögel“, sagt er weiter im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Problematik der Großvögel sei seit Langem bekannt. Die Mitarbeiter des Baubüros arbeiten daher seit Wochen an einer Lösung und gründeten die Arbeitsgruppe „Großvogel“.

Versuchsstation in Münster

Unter dem Namen „XXP1“ hat sich jetzt eine Idee durchgesetzt. Ein Plastikstorch soll seine echten Artgenossen davon abhalten, sich auf dem Hochspannungsmast niederzulassen. In Münster richteten sie eine sogenannte Versuchsstation ein.

Die Attrappe ist mit einer Kamera ausgestattet und mit einer schweren Gewindestange an einem Querträger festgemacht – der angebliche Spieß, den der besorgte Anwohner gesehen hat. Wöchentlich sollen die Kameraaufnahmen unten am Computer ausgewertet werden.

„Wir hoffen natürlich, dass die echten Störche den Plastikvogel nicht als Einladung verstehen“, sagt Schindelbauer. Es soll ein Test sein, den es haargenau zu beobachten gilt.

Wenn’s funktioniert, kommt eine Attrappe nach Werne

Wenn der Plan aufgeht und lebende Störche fernhält, sollen nicht nur in von Störchen bevorzugten Gebieten wie in der Nähe des Münsteraner Zoos Kunststofftiere in luftiger Höhe Platz nehmen. Eine Attrappe käme sicher auch nach Werne auf den Strommast der 110-KV-Leitung, die über die Lippewiesen führt. Gerade am Tibaum in Stockum seien viele Störche anzutreffen.

„Wir sind sehr bemüht und praktizieren schon seit vielen Jahren aktiven Tierschutz unter Einbeziehung entsprechender Fachleute“, sagt Stefan Schindelbauer. „Fischadler wie am Dümmer See oder Turmfalken ziehen bereits seit vielen Jahren ihren Nachwuchs in unseren Nisthilfen und Nistkästen auf.

„Für die Störche werden wir auch noch eine Lösung finden“, sagt Schindelbauer und ist zuversichtlich.

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