Warum der Medizincheck für Flüchtlinge wichtig ist

Radiologie Werne

Um Flüchtlinge richtig versorgen und Krankheiten ausschließen zu können, ist ein Medizincheck bei der Erstaufnahme notwendig. Weil das Werner St. Christopherus-Krankenhaus über die Kapazitäten verfügt, werden hier Hunderte der Ankommenden auf Lungenkrankheiten untersucht. Für viele von ihnen eine große Überwindung.

Werne

, 25.09.2015, 16:31 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mila Osman ist medizinische Fachangestellte in der Radiologie. Sie nimmt die Röntgenbilder der Flüchtlinge auf.

Mila Osman ist medizinische Fachangestellte in der Radiologie. Sie nimmt die Röntgenbilder der Flüchtlinge auf.

Etwa 500 bis 600 Flüchtlinge sind in den vergangenen beiden Wochen in der Radiologie Werne geröntgt worden. "Die ersten Busse waren nur halb voll", erklärt Bettina Grundner, Fachärztin für Radiologie. 

Doch schon die Fahrt ins Krankenhaus ist für einige von ihnen eine Überwindung - die Angst vor einer Abschiebung sitzt tief. "Viele der Flüchtlinge hatten nach der medizinischen Untersuchung in der Erstaufnahmestelle Angst in den Bus zu steigen, weil sie nicht wussten, ob dieser sie wieder zurück nach Syrien bringt."

Kaum Krankheitsfälle

Die Untersuchung ist jedoch notwendig: Das Röntgenbild gibt Aufschluss über mögliche Lungenkrankheiten wie eine Entzündung oder eine Tuberkulose. "Fast alle Flüchtlinge sind gesund", so Grundner. 

Tuberkulose, oder kurz Tbc, gehört in Deutschland zu den meldepflichtigen Infektionskrankheiten. Mit verschiedenen Medikamenten kann sie jedoch gut behandelt und auch geheilt werden.

Übertragen wird Tbc durch die Tröpfcheninfektion, also beim Sprechen, Husten oder Niesen. Sogenannte Kontaktpersonen, die zwar den Erreger in sich tragen, aber nicht erkrankt sind, können andere Menschen nicht anstecken. Die Symptome können denen einer Grippe ähnlich sein. 

"Wir hatten bisher nur zwei Verdachtsfälle auf Tuberkulose. Das Ansteckungsrisiko ist gering." Eine Behandlung dauert fünf Minuten, höchstens zehn. Zu längeren Wartezeiten für Werner kommt es dadurch nicht.

Während andere Flüchtlinge auf ihre Untersuchung warten, vertreiben sich die bereits Behandelten bei gutem Wetter die Zeit auf dem Krankenhausgelände. "Es gab bisher keine Beschwerde", so Pressereferent Michael Schorsch.

Menschlichkeit im Vordergrund

"Zwischendurch gibt es ein paar Sprachprobleme, aber wir bieten jetzt Englischkurse für unsere Mitarbeiter an." Die meisten Flüchtlinge kommen aus der Zeltstadt Bork in Selm, der Kostenträger für die Untersuchung ist das Land.

Die Belegschaft der Klinik sorgt sich aber nicht nur um das medizinische Wohl der Schutzsuchenden: "Wir wollen auch spenden. Daher haben wir eine Spielzeug gesammelt, insgesamt eine ganze Garage haben wir gefüllt."

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