Nach Großeinsatz am Stadthaus Werne gibt‘s Dienstag weitere Pulver-Funde, auch bei Ikea

mlzWeißes Pulver

Beim weißen Pulver, das für einen Großeinsatz sorgte, handelte es sich wohl um Backpulver. Das bestätigte ein Feuerwehrsprecher. Die Polizei spricht aber von weiteren Untersuchungen.

Werne

, 09.04.2019, 09:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim weißen Pulver, das für einen Großeinsatz am Stadthaus sorgte, handelte es sich wohl um harmloses Backpulver. Das bestätigte ein Feuerwehrsprecher. Die Polizei dagegen gab gestern Nachmittag bekannt, dass die Untersuchungen noch liefen und das Material noch nicht endgültig bestimmt sei.

Gegen 12 Uhr bauten Wehrleute eine Entgiftungsschleuse vor dem Stadthaus auf, die sie weniger später aber wieder demontieren konnten.

Gegen 12 Uhr bauten Wehrleute eine Entgiftungsschleuse vor dem Stadthaus auf, die sie weniger später aber wieder demontieren konnten. © Jörg Heckenkamp

„Bei einem Fall wurde das Tütchen mit weißen Pulver geöffnet“, sagte Polizeisprecherin Vera Howanietz auf RN-Anfrage: „Dadurch konnte man die Substanz als Backpulver identifizieren.“ Bei den anderen, nicht geöffneten Päckchen liefen die Analysen noch.

Feuerwehrsprecher Tobias Tenk spricht dagegen davon, dass es sich „um Backpulver handelt“. Das sei klar gewesen, „nachdem wir im Standard-Verfahren das Päckchen untersucht haben und eine atomare oder sonstige Verseuchung ausschließen konnten“, so Tenk auf Anfrage.

Die Versendung des Briefes mit weißem Pulver gestern an drei Stellen im Kreis Unna (Stadthaus Werne, Katharinenhospital Unna und Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg) lässt sich damit in die Kategorie ganz übler Scherz einsortieren. Ein Scherz, der alleine von der Feuerwehr 45 Einsatzkräfte in Werne mehr als drei Stunden beschäftigte. Hier die Aufstellung der Feuerwehr (ohne Polizei) über die Einsatzzahlen:

Im Einsatz waren ca. 27 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Werne mit den Löschzügen Stockum und Mitte, 11 Einsatzkräfte des Mess-Zugs der Feuerwehr Lünen, 4 ATF-Einsatzkräfte der Feuerwehr Dortmund, drei RTW-Besatzungen, der Notarzt aus Werne, ein leitender Notarzt sowie ein organisatorischer Leiter Rettungsdienst und der Kreisbrandmeister – insgesamt über 45 Einsatzkräfte.

Erneute Pulver-Funde

Feuerwehr und Rettungskräfte waren mit einem Großaufgebot am Stadthaus vertreten.

Feuerwehr und Rettungskräfte waren mit einem Großaufgebot am Stadthaus vertreten. © Jörg Heckenkamp

Der üble Scherz ging am Dienstag, 9. April, weiter. Die Einsatzkräfte rückten erneut zu Pulver-Funden aus. Dieses Mal traf es die Bezirksverwaltungsstelle in Fröndenberg und Ikea in Kamen. Laut Polizei war der Einsatz im Möbelhaus am Dienstagnachmittag beendet. Das Ikea-Haus musste nicht geräumt werden.

Damit summiert sich der Fund von Briefen mit weißem Pulver seit Montagmorgen im Kreis Unna auf fünf. Hinzu kommt in der Nachbarstadt Hamm ein sechster Fund. Dort traf es die Agentur für Arbeit.

Die Polizei im Kreis Unna hatte gestern Nachmittag auf RN-Anfrage noch keinerlei Hinweise auf den oder die Täter. „Wir wissen in der Tat noch nicht einmal, ob es sich um eine Einzelperson oder mehrere Täter handelt“, so Polizeisprecherin Vera Howanietz.

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Im Falle der bislang fünf Fälle im Kreis Unna ließen sich Übereinstimmungen feststellen:

  • Alle Briefe sind ohne Absender gewesen und ordentlich frankiert an die Adressaten gegangen.
  • Im Inneren der Briefe befanden sich kleine, durchsichtige Plastiktütchen mit Zipperverschluss, in denen sich das weiße Pulver befand, sonst nichts.
  • Pro Brief war ein Tütchen verpackt.
Kommentar von Redaktionsleiter Jörg Heckenkamp: Die Verschickung von weißem Pulver, das man für eine gefährliche Sendung halten konnte, war offenbar kein gezielter Anschlag. Sondern eher eine Tat aus Frust, aus Geltungssucht oder einfach ein ganz übler Scherz. Derjenige, der sich an drei Stellen im Kreis Unna dieses miese Spiel erlaubt hat, sollte in einem lichten Moment einmal über die Konsequenzen nachdenken. Stundenlang beschäftigte er Dutzende von Helfern und hielt sie von anderen, wichtigen Aufgaben ab. Von den Mitarbeitern der betroffenen Einrichtungen ganz zu schweigen.
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