Werne als Puzzle: Wir stellen die "Teile" der Lippestadt vor. © Neubauer/Sauerland
Stadt-Historie

Werne besteht aus zehn Teilen – wir stellen sie im Kurzporträt vor

Werne in seiner heutigen Form existiert erst seit dem Jahr 1975. Damals wurde die Stadt nicht nur Teil des Kreises Unna, auch der Ort Stockum wurde nach Werne eingemeindet. Werne ist aber mehr.

Die Gebietsreform im Jahr 1975 machte Werne zu dem, was es heute noch ist: Eine Stadt, die nördlich des Lippeufers einen nahezu rechteckigen, wenn auch etwas gedrehten Grundriss hat. Doch genau betrachtet gibt es neben dem historischen Stadtkern zehn „Einzelteile“, die Werne erst zur Stadt machen. Das sind in alphabetischer Reihenfolge Ehringhausen, Evenkamp, Holthausen, Horst, Langern, Lenklar, Schmintrup, Stockum, Varnhövel und Wessel.

Wir stellen die Puzzleteile aber im gegenläufigen Uhrzeigersinn vor und fangen an mit:

Evenkamp

Der einwohnerstärkste Ortsteil ist der mittlerweile mit der Kernstadt verschmolzene Ortsteil Evenkamp. Die einstige Bauernschaft wuchs dank des Bergbaus, denn hier entstanden nach 1900 die Bergarbeitersiedlungen der inzwischen ehemaligen Zeche Werne. Der bäuerliche Charakter blieb im Sprachgebrauch aber immer erhalten, denn bei Ortsangaben gehört zu Evenkamp noch heute automatisch die Präposition „im“. Es ist schließlich ein Kamp, der Grasplatz am Bauernhaus. Von dem ist freilich aber nichts mehr zu sehen: Zechenhäuser prägen hier das Stadtbild, und die Straßennamen haben oftmals Bezug zum Bergbau.

Auf manchen Straßenschildern ist noch der Ortsteil Evenkamp verewigt.
Auf manchen Straßenschildern ist noch der Ortsteil Evenkamp verewigt. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Stockum

Die zweitgrößte Einwohnerschaft im Werner Stadtgebiet bringt Stockum mit – und noch heute spielt der Ortsteil oft eine Sonderrolle unter den Stadtteilen Wernes. Dass man hier lange Jahre nicht zu Werne gehörte, hat Spuren hinterlassen. Die Lage im Osten der Stadt, in Richtung Oberzentrum Hamm, trägt ein Übriges dazu bei, dass Stockum und Werne nicht immer ein Herz und eine Seele sind. Da hier auch jahrzehntelang das als Landmarke dienende Gersteinwerk betrieben wurde und es sogar einen eigenen Bahnhof mit schnellerem Anschluss an den Fernverkehr gab als in Werne selbst, ist Stockum bis heute eine Kleinstadt in der Stadt.

Das Gersteinwerk, hier ein Luftbild aus den 1980er Jahren, war und ist die Landmarke für Stockum. Allerdings ist das Kraftwerk heute in weiten Teilen stillgelegt.
Das Gersteinwerk, hier ein Luftbild aus den 1980er Jahren, war und ist die Landmarke für Stockum. Allerdings ist das Kraftwerk heute in weiten Teilen stillgelegt. © RWE Power © RWE Power

Horst

Nördlich von Stockum gelangt der Besucher in den Stadtteil Horst. Hier wird es plötzlich dörflich, auch wenn mitten im Ort der wohl älteste Kreisverkehr der Stadt zu finden ist. Der spielt eine wichtige Rolle im Ortsteil – ist er doch im wahrsten Sinne des Wortes Dreh- und Angelpunkt und oftmals Schauplatz von Aktionen. In Horst hält man zusammen, wie das Dorfgemeinschaftshaus und ein reges Vereinsleben zeigen. Dass auch die Horster ein eigenständiges Völkchen sind, zeigt die Beschreibung ihres „liebens- und lebenswerten Dorfes“ auf der eigenen Homepage. Da heißt es: „Es liegt zwischen den Städten Werne, Ascheberg und Hamm.“

Der Kreisverkehr ist die Seele des Ortsteiles Horst. Die Bewohner schmücken ihn jahreszeitlich passend.
Der Kreisverkehr ist die Seele des Ortsteiles Horst. Die Bewohner schmücken ihn jahreszeitlich passend. © Helga Felgenträger © Helga Felgenträger

Wessel

Wer von Horst weiter in Richtung Norden und Herbern fährt, kommt automatisch durch die Bauernschaft Wessel. Hier mögen sich Fuchs und Hase sprichwörtlich gute Nacht sagen, doch hier schlägt das landwirtschaftliche Herz der Stadt. Außergewöhnliche Bauernhöfe liegen wie zufällig in der Landschaft verteilt. Kühe grasen auf den Weiden, Pferde stehen auf den Koppeln und so mancher Schweine- und Geflügelzüchter ist hier ebenfalls zuhause. Trotz der ländlichen Lage ist Wessel aber die Örtlichkeit, die am nächsten zum Autobahn-Anschluss Wernes liegt – und liegt daher doch alles andere als abgeschlagen am Rand. Wessel und Horst gehörten überdies einst zu Stockum – und diese enge Verbindung ist bis heute zu spüren.

Grundschüler erkunden auf diesem Archivbild den Wald in Wessel.
Grundschüler erkunden auf diesem Archivbild den Wald in Wessel. © Möllenhoff © Möllenhoff

Holthausen

Wer Holthausen sagt, hat meist auch Schmintup auf den Lippen – und das liegt nicht allein am aktiven Schützenverein dieses Namens, der im vergangenen Jahr sein 150-jähriges Bestehen feierte. Holthausen und Schmintrup sind wie zweieiige Zwillinge – sie gehören zusammen, und sind doch eigenständig. Holthausen ist eine Bauernschaft und einige bekannte Werner Bauernhöfe sind hier beheimatet, wie der Spargelhof Bleckmann oder der Kürbishof Hülsmann. Im Landhaus Holthausen lässt sich darüber hinaus bis heute auf der Diele feiern.

Der bekannte Spargelhof Bleckmann ist in der Bauerschaft Holthausen-Schmintrup zu finden.
Der bekannte Spargelhof Bleckmann ist in der Bauerschaft Holthausen-Schmintrup zu finden. © Helga Felgenträger © Helga Felgenträger

Schmintrup

Weiter entgegen des Uhrzeigersinns auf Wernes Stadtgebiet geht es nach Schmintrup. Überregional bekannt ist dieses Fleckchen Werne vor allem durch den Golfclub, aber auch aufgrund der zahlreichen Gewerbebetriebe, die sich hier angesiedelt haben. Dennoch gilt Schmintrup als bedeutender bäuerlicher Kulturlandschaftsbereich und hat aufgrund seiner Historie eine besondere Bedeutung in der Regionalplanung.

Schmintrup verfügt noch über Wallhecken entlang überlieferter Parzellengrenzen und so lassen sich überlieferte Ackerstandorte bis heute finden. Bedeutsam sind auch historische Wäldchen und Waldgrenzen sowie altehrwürdige Hoflagen. Bedeutend sind aber vor allem überkommene Wölbäcker, wie die Hochackerflächen bezeichnet werden. Diese entstanden im Mittelalter durch die damalige Pflugtechnik, die die Schollen nur zu einer Seite warf und das Gelände auftürmte. So entstanden besondere Hochbeete, die sowohl bei Nässe als auch bei Dürre guten Ertrag versprachen.

In Ortsteil Schmintrup ist Wernes Golfclub beheimatet.
In Ortsteil Schmintrup ist Wernes Golfclub beheimatet. © Hubert Kramer (A) © Hubert Kramer (A)

Ehringhausen

Ehringhausen hat zahlreiche, vermutlich bekanntere Namensvettern in NRW, doch auch die Werner Ortschaft hat es in sich. Zum Teil sogar hochprozentig. Die im Westen der Stadt gelegene Bauernschaft in Richtung Selm und Lünen beheimatet eine Brennerei – auf dem Gut Ehringhausen, das dem Ortsteil seinen Namen gab. 1237 wurde das urkundlich erstmals erwähnt, als es in den Besitz des Ritters Hellmich kam. Der alte Männername Erich wird zum Hofnamen, der Hofname zum Namen der Bauernschaft. Für Werne waren die Menschen von Ehringhausen stets wichtig. Bei der großen Hungersnot von 1815 bis 1817 war es Franz Anton Ehringhausen, der als Bürgermeister dafür sorgte, dass die Menschen in der nahen Stadt Werne zu essen bekamen. Ihm zum Dank gibt es noch heute ein Denkmal in der Altstadt.

Theres und Georg Glitz-Ehringhausen von der gleichnamigen Brennerei, hier auf einem Archivbild.
Theres und Georg Glitz-Ehringhausen von der gleichnamigen Brennerei, hier auf einem Archivbild. © Felix Püschner © Felix Püschner

Varnhövel

Der Ortsteil zwischen Werne und Selm ist wohl der Flecken Wernes, der die meisten Spaziergänger und Wanderer anlockt. Am hier ausgewiesenen Wanderparkplatz starten etliche ausgeschilderte Wanderrouten durch Wald und Flur. An der Grenze des Cappenberger Wald geht es oftmals langsam den Höhenrücken hinauf – und von oben bietet sich dem Wanderer eine wundervolle Aussicht auf die Lippeauen. Bei gutem Wetter sogar bis zum Haarstrang und das dahinterliegende Sauerland. Doch auch Relikte des Bergbaus lassen sich zu Fuß erkunden. Mit dem Auto ist allerdings Vorsicht geboten: Auf der kurvenreichen Landstraße kommt es immer wieder zu schweren Unfällen.

Varnhövel lockt viele Wanderfreunde an. Auf dem Wanderparkplatz an der Varnhöveler Straße starten zahlreiche Routen.
Varnhövel lockt viele Wanderfreunde an. Auf dem Wanderparkplatz an der Varnhöveler Straße starten zahlreiche Routen. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Langern

Langern ist der Ortsteil, der am weitesten von Werne entfernt ist und dessen Bewohner sich zum Teil auch eher zur Nachbarschaft Lünen orientieren – oder gar der Historie wegen nach Selm-Cappenberg. Aus der Bauernschaft wäre beinahe eine Bergbaustadt geworden – und das gleich zweimal. Doch die Umstände verhinderten es. In Langern gab es zwar Schächte, aber die große Förderung blieb aus – ebenso wie die einst geplante Nordfelderweiterung. Die heutige, abseits der B54 gelegene Bauernschaft ist daher nach wie vor ländlich geprägt – und verfügt über etliche Baudenkmäler, die einen Besuch wert sind. Und dass es in Langern niemals langweilig wurde, das beweisen die zahlreichen Geschichten, die Helmut Holz in seinem Buch über Langern festgehalten hat.

Das ehemalige Schachtgelände in Langern. An den Bergbau erinnert nur noch dieser Schachtdeckel.
Das ehemalige Schachtgelände in Langern. An den Bergbau erinnert nur noch dieser Schachtdeckel. © Sylvia vom Hofe © Sylvia vom Hofe

Lenklar

Berühmt ist Lenklar vor allem durch das große Reit- und Springturnier auf dem Hof Gripshöver, dass alljährlich Reitsportfans und hochkarätige Teilnehmer aus ganz Deutschland an die Lippe lockt: die Lenklarer Reitertage. Doch auch abseits schnaubender Vierbeiner hat dieser Teil des Werner Stadtgebietes einiges zu bieten: Vor allem die Martinsgesellschaft Lenklar-Brederode pflegt hier das Brauchtum: Vom Martinszug, Nikolaus und Osterfeier bis zum Maigang wird hier gefeiert, aber auch die alte, unter Denkmalschutz stehende St. Rochus Kapelle wurde liebevoll restauriert.

Das Reitturnier der Familie Gripshöver macht den kleinen Ortsteil Lenklar weit über Wernes Grenzen hinaus bekannt.
Das Reitturnier der Familie Gripshöver macht den kleinen Ortsteil Lenklar weit über Wernes Grenzen hinaus bekannt. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp
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