Werner auf der Suche nach verschwundenen Büchern

Werke aus dem Kapuziner-Kloster

1834 hat der preußische Staat das das Kapuziner-Kloster Werne schließen lassen. Er nahm dem Bettelorden seinen Besitz – darunter auch 444 Bücher. Knapp 180 Jahre später hat sich der Werner Heimatforscher Berthold Ostrop auf die Spur der Bücher gemacht. Dabei stieß er auf einen Schatz, den er gar nicht gesucht hatte.

WERNE

, 29.08.2014, 19:30 Uhr / Lesedauer: 1 min
Berthold Ostrop (l.) und Reinhard Schulz begutachten eines der alten Bücher aus Werne.

Berthold Ostrop (l.) und Reinhard Schulz begutachten eines der alten Bücher aus Werne.

Statt der gesuchten 444 alten Bücher der Kapuziner Werne, lagern in den Kellerräumen des zweiten Untergeschoss der ULB 850 Bände. Vor gut zehn Jahren seien sie nach Münster gebracht worden, erfährt Ostrop. 45 von ihnen sind sogar schon mit 38.000 Euro vom Bund restauriert worden.

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Die alten Bücher aus dem Kapuziner-Kloster Werne

444 Bücher sind im Dezember 1835 aus der Kapuziner-Bibliothek Werne mit einem Pferdekarren nach Münster gebracht worden. Diesen historischen Schatz haben Heimatforscher nun in der dortigen Uni-Bibliothek wiederentdeckt.
29.08.2014
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Für 38.000 Euro hat der Bund 45 Bände der Werner sammlung restaurieren lassen.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Berthold Ostrop (l.) und Reinhard Schulz begutachten eines der alten Bücher aus Werne.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Eine Kostbarkeit: Die Seiten dieses Buches sind nicht nur vergoldet, sondern auch noch mit einem Muster versehen.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Abraham hätte fast seinen Sohn Isaak geopfert, doch Gott greift noch rechtzeitig ein.© Foto: ULB Münster
Schadhaft: der Einband des betagten Buches.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Der Ledereinband dieses Buches zeigt zahlreiche Schadstellen. Die ULB in Münster hofft, es in Zukunft restaurieren zu können. Inzwischen sorgt sie dafür, dass sich der Schaden nicht weiter verschlimmert.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Silberfische haben sich an diesem Buch gütlich getan.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Da stehen sie in Reih und Glied: Bücher aus der Werner Kapuziner-Bibliothek. Die Signaturen stammen noch aus Werne. Heute würde man so kostbaren Büchern keine Nummern mehr mit Tesafilm auf den betagten Einband kleben.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Stehen in Münster seit rund zehn Jahren: die Bücher aus dem Kapuzinerkloster Werne.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Zwischen den Seiten sammelt sich der Staub. Bei einer Restaurierung wird er Seite für Seite ausgeputzt.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Die wertvollsten Bücher aus Werne stammen aus dem sogenannten Gründungsbestand. Die Patres, die zur Klostergründung 1659 nach Werne kamen, brachten sie schon mit.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Typisch für den Gründungsbestand: der Pergamenteinband und seine farbige Gestaltung.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Eines der 45 restaurierten Bücher der Sammlung. Es steckt in einem besonderen Schuber.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
Nicht nur der Text der Bibel, die 1556 in Köln gedruckt wurde, ist eine Kostbarkeit (der Übersetzer war ein Dominikanermönch), auch die Abbildungen gelten als künstlerisch besonders ansprechend: Dieses Bild zeigt, wie Kain Abel erschlägt.© Foto: ULB Münster
Riesenprojekt in einer Miniatur: der Turmbau zu Babel.© Foto: ULB Münster
Das Zwischentitelblatt der kostbaren Dietenberger-Bibel aus dem Kapuzinerkloster Werne. Es leitet das Neue Testament ein.© Foto: ULB Münster
Dieses Initialschmuck gehört zur Dietenberger-Bibel, eines der schönsten Stücke des Werner Bücherschatzes, der 1834 nach Münster gebracht wurde. Sie ist 1556 in Köln gedruckt worden. Inzwischen lagert sie in der Universitäts- und Landesbibliothek Münster.© Foto: ULB Münster
Dieses Buch aus der Werner Kapuziner-Sammlung zeigt die typischen Probleme: Staub, Benutzungsspuren und einen Feuchtigkeitsschaden.© Foto: Sylvia Lüttich-Gür
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Dabei handelt es sich um Teile des sogenannten Gründungsbestands des Werner Klosters: also Bücher die schon die ersten Patres mitbrachten, als sie 1659 in Werne das Kloster gründeten. 

Und die 444 Bücher, nach denen Ostrop eigentlich gesucht hat? „Sie werden damals in die Bibliotheka Paulina gekommen sein, der Vorgängerin der ULB und in die Zentralbibliothek der Kapuziner, ebenfalls in Münster“, mutmaßt Reinhard Feldmann, Bibliotheksdirektor und Leiter des Dezernats historischer Bestände. „Viele von ihnen dürften die Zerstörungen des zweiten Weltkriegs nicht überstanden haben.“ Einige gehörten aber zu den schönsten Stücken ihrer Zeit, die es in Münster gäbe. 

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