Werner Bauern fördern die Brut der Mehlschwalben

Artenschutz

Hin und her fliegende Schwalben – ein Bild das eigentlich wie selbstverständlich zu einem Bauernhof gehört. Der Bestand der Mehlschwalbe ist aber – auch auf Werner Gebiet – stark zurückgegangen. Auf einigen Werner Höfen fördern die Bauern daher das Ansiedeln der Tiere.

Werne

, 09.09.2017, 05:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf dem Hof von Bernhard Osthues im Horst gibt es jede Menge Schwalben - und das schon seit vielen Jahren. Der Werner fördert das Ansiedeln der Tiere. Rund 50 Nester finden sich auf dem gesamten Hof.

Auf dem Hof von Bernhard Osthues im Horst gibt es jede Menge Schwalben - und das schon seit vielen Jahren. Der Werner fördert das Ansiedeln der Tiere. Rund 50 Nester finden sich auf dem gesamten Hof.

„Siehst du die Schwalben niedrig fliegen, wirst du Regenwetter kriegen.“ Diese Bauernregel ist sicher wahr. Mittlerweile aber kann man sich freuen, wenn man überhaupt noch Schwalben sieht – egal, ob sie nun hoch oder tief fliegen, wie Ornithologe Klaus Nowack bestätigt. „Insgesamt gibt es in Werne nur noch wenige Nester“, sagt er bedauernd. Ausnahme sind einige Bauernhöfe wie der Hof Fleige oder der Hof von Bernhard Osthues. „Ich habe hier sicher 40, 50 Nester“, sagt Osthues auf Anfrage.

Und sie sind deutlich zu sehen: Unter dem Dach brüten die Mehlschwalben. Gerade kommen pro Nest zu den zwei Elterntieren vier Junge hinzu. Osthues erzählt mit einem Glänzen in den Augen. Er ist richtiger Schwalben-Fan. Neben den Mehlschwalben brüten auf seinem Hof auch Rauchschwalben – allerdings nicht draußen, sondern in der Scheune.

„Schwalben muss man dulden, und es ist eine Straftat, die Nester zu entfernen"

Ornithologe Klaus Nowack erzählt: „Auf dem Hof Fleige gab es knapp 100 Nester mit Mehlschwalben, und zwar in der Scheune. Das ist außerhalb der Norm, normalerweise brüten die Tiere nur draußen.“ Ansonsten kennt Nowack nur noch „eine Handvoll Gebäude mit maximal zwei bis vier Nestern“.

Vereinzelt, das hat Nowack auch erfahren, wurden sogar Schwalbennester entfernt. Denn viele Hausbesitzer ärgern sich über den Kot der Tiere, der ihre Fassaden verschmutzt. „Schwalben muss man dulden, und es ist eine Straftat, die Nester zu entfernen“, warnt der Experte. Gegen den Kot könne ein kleines Brett helfen, das direkt unter dem Nest angebracht wird und die Hinterlassenschaften der geflügelten Flitzer auffängt. Die Bretter könne man nach der Brutzeit reinigen.

Fehlende Nahrung als Grund für den Rückgang

Doch ein noch viel größeres Problem als die fehlenden Brutplätze ist das fehlende Futter. Es gibt nämlich immer weniger Insekten. Das erkennt man unter anderem daran, dass die Windschutzscheibe beim Autofahren nicht, wie noch vor einigen Jahren, wegen der toten Insekten andauernd gereinigt werden muss. „Das ist ein makaberer Indikator, aber es stimmt“, sagt Nowack.

Wer den Singvögeln und Schwalben helfen möchte, muss noch nicht einmal unbedingt Nester anbringen. „Gartenbesitzer könnten in einer Ecke Wildblumen anpflanzen, um Insekten anzulocken“, sagt Nowack. Selbst auf dem Balkon kann man entsprechende Blumen pflanzen. „Jeder kann ein kleines bisschen dazu beitragen.“

Ein Lichtblick, so Nowack, sei gerade der Kreis Coesfeld. „Dort werden bunte Ackerrandstreifen stehen gelassen. Ich habe mich darüber gefreut. Es wäre wichtig, so etwas auch hier zu machen.“

Der Landwirtschaftliche Ortsverein hat dazu in diesem Jahr auch schon einen Vorstoß gemacht und entlang von Maisfeldern einige Blühstreifen gesät. Wenn sich das ausweitet, kann man vielleicht auch noch in den nächsten Jahrzehnten Mehl- und Rauchschwalben am Himmel sehen.

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