Gertrud Tengowski aus Werne wurde von einem "falschen Polizisten" angerufen. Und sie war an besagtem Tag bei Weitem nicht die einzige Wernerin. © Felix Püschner (Archiv)
Betrug am Telefon

Werner Seniorin zu falschem Polizisten: „Ich hab‘ dem gleich gesagt, bei mir gibt‘s nix zu holen“

Falsche Polizisten erbeuteten mehrfach Bargeld und Schmuck von Werner Seniorinnen. Auch bei Gertrud Tengowski (70) klingelte das Telefon. Wie sich herausstellte, war „Herr Müller“ kein Beamter.

Die Maschen sind im Grunde bekannt – und doch sind Trickbetrüger, die sich am Telefon etwa als Enkelkinder oder Polizisten ausgeben, um an das Hab und Gut ihrer potenziellen Opfer zu gelangen, immer wieder erfolgreich. Vor allem Senioren sind dabei das Ziel der Täter. Erst kürzlich hatte es in Werne erneut zwei Fälle gegeben, bei denen Unbekannte auf diese Weise von einer 86-Jährigen und einer 88-Jährigen Schmuck und jeweils einen fünfstelligen Geldbetrag erbeuteten. Auch Gertrud Tengowski geriet im vergangenen Jahr ins Visier von Betrügern – und reagierte schlagfertig.

An einem Nachmittag vor rund einem Jahr klingelt bei der 70-jährigen Wernerin das Telefon. Der vermeintliche Polizeibeamte am anderen Ende der Leitung spricht ruhig und in akzentfreiem Deutsch. Er wolle nur wissen, ob bei ihr in den vergangenen Tagen eingebrochen worden sei. Es habe nämlich in diesem Zeitraum offensichtlich eine Diebesbande ihr Unwesen in der Nachbarschaft getrieben – etwa am Köttersberg und am Beckingsbusch. Zwei der drei Täter habe man bereits gefasst, der dritte sei allerdings noch auf der Flucht. Vielleicht habe sie ja auch etwas Verdächtiges bemerkt?

Falscher Beamter: „Hier spricht Herr Müller von der Polizei“

Tengowskis Antwort: „Nein, alles ruhig. Und bei mir gibt‘s auch nix zu holen. Wer mir etwas stehlen will, der muss mir vorher erstmal etwas bringen.“ Ob sie denn allein wohnt, will der Mann am Telefon ebenfalls wissen. „Ja, aber mein Sohn wohnt nur fünf Minuten weg, der ist immer schnell hier.“ Zufällig ist Sohnemann Mathias Tengowski (39) zu diesem Zeitpunkt tatsächlich bei seiner Mutter zu Besuch. Und die reicht ihm dann auch gleich den Hörer und flüstert: „Ich glaube, da stimmt etwas nicht.“

Also spricht auch der 39-Jährige noch einmal mit dem Anrufer: „Nein, kein Einbruch. Nein, alles ruhig. Nein, Mutter ist in Sicherheit. Aber wer sind Sie eigentlich?“ Herr Müller von der Polizei natürlich. Doch dann steigt plötzlich der Geräuschpegel in Herrn Müllers Büro. Es wird getuschelt, Tengowski meint, ein paar Worte Türkisch herauszuhören, dann lacht jemand. Der Beamte hat es nun ziemlich eilig. Er müsse jetzt auflegen. Die Pflicht ruft. Es ertönt noch ein eigenartiger Signalton, dann ist das Gespräch beendet. Und es kommt Tengowski irgendwie spanisch vor.

Daraufhin tut er genau das, wozu die Polizei in solchen Fällen rät. Er ruft selbst die Polizei an – und zwar direkt auf der Wache in Werne: Dort teilt ihm ein zweifelsfrei echter Polizist mit, dass er schon der Dritte sei, der heute wegen so einer Geschichte anruft. Anscheinend treiben gerade tatsächlich Verbrecher ihr Unwesen in Tengowskis Nachbarschaft. Allerdings vorerst nur telefonisch. Denn Einbrüche hat es in den vergangenen Tagen dort in Wirklichkeit gar nicht gegeben.

„Der Beamte hat mir erklärt, dass er die Angelegenheit weiterleiten und sich im Laufe des Tages die Kripo bei uns melden würde“, erinnert sich Mathias Tengowski. Einmal skeptisch geworden, einigt sich der 39-Jährige mit dem Werner Polizisten darauf, dass der Kripo-Beamte bei seinem späteren Anruf ein Kennwort nennt. Das geschieht auch rund 90 Minuten später. Die Kriminalpolizei nimmt telefonisch Tengowskis Anzeige auf. Damit ist die Sache für Mutter und Sohn im Prinzip abgehakt.

Sie informieren noch ihre Nachbarn über den Vorfall, damit auch die nicht auf die Betrugsmasche hereinfallen. Und eine ganze Weile später liegt schließlich Post im Briefkasten: Ein Schreiben mit dem Hinweis, dass die Ermittlungen eingestellt wurden.

Gertrud Tengowski hat für ihre Mitmenschen den gleichen Rat wie die echte Polizei: In solchen Situationen skeptisch sein, eine Vertrauensperson hinzuziehen und selbst bei der Polizei anrufen. Das würde sie ebenfalls wieder tun – auch wenn es bei ihr eigentlich „nix zu holen gibt“.

Das rät die Polizei

  • Die Polizei rät dazu, bei einem Anruf von Beamten stets deren Namen, Funktion (etwa Kommissar), Dienststelle sowie die angezeigte Telefonnummer zu notieren. Bei verdächtigen Anrufen sollten die Betroffenen in jedem Fall Vertrauenspersonen hinzuziehen, selbst die 110 oder die örtliche Wache anrufen. Die Werner Polizeiwache ist unter Tel. 02389 9210 erreichbar. Sofern die Polizei bei Ihnen anruft, erscheint niemals die 110 im Display.
  • Geben Sie keine Details zu Ihren familiären und finanziellen Verhältnissen preis und lassen Sie sich nicht drängen und unter Druck setzen. Die Polizei erkundigt sich grundsätzlich nicht nach den Vermögenswerten von Personen. Auch fordert sie niemanden dazu auf, Geld, Schmuck oder andere Wertgegenstände bereitzuhalten, um sie von einem vermeintlichen Beamten abholen zu lassen.
  • Melden Sie sich nicht mit ihrem Namen, wenn sie ans Telefon gehen. Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch abkürzen (aus Herta Schmidt wird beispielsweise H. Schmidt). Täter suchen sich bewusst Namen heraus, bei denen sie davon ausgehen, dass es sich um ältere Menschen handelt. Zum Ändern eines Telefonbucheintrags wenden Sie sich an die Telekom.
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Redakteur
Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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Felix Püschner

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