Linda Beische hat sich 2013 mit der KiddyFarm selbstständig gemacht. Auf diese Weise konnte sie ihren Beruf weiterhin ausüben und sich gleichzeitig um ihre neugeborene Tochter kümmern. © Privat
Junge Familien

Wernerin mit Kiddy-Farm selbstständig: Verbindung von Beruf und Mutter-Dasein

Kindergeburtstage, Gruppenausflüge, Festscheune - Die dreifache Mutter Linda Beische hat die KiddyFarm vor rund 10 Jahren gegründet. So konnte sie ihren Beruf ausüben und sich um ihre Tochter kümmern.

Ein Hof voller Leben – einige Kinder spielen Fußball, andere toben in der Strohburg. Ein kleiner Junge taucht in das große Maisbad ein, während zwei Mädchen gemeinsam Trampolin springen. Im großen Räuberwäldchen sind noch weitere Kinder zu entdecken, die sich soeben auf die Wackelbrücke wagen.

Linda Beische – Gründerin und Dreifach-Mama

Plötzlich ertönt eine laute Stimme. Eine junge Frau mit blondem Haar ruft alle Kinder zusammen. Sie kündigt das Highlight des Kindergeburtstages an: eine Planwagenfahrt. Die Mädels und Jungs strahlen und kreischen laut vor Freude.

Die Frau ist Linda Beische, Gründerin der KiddyFarm. Sie ist 35 Jahre alt und hat selbst drei Kinder im Alter von zehn, acht und fünf Jahren. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Hendrik, der gelernter Landwirt ist, leitet sie die KiddyFarm auf dem Hof Beische in Werne.

„Wir wohnen zu drei Generationen hier auf dem Hof. Einmal die Eltern meines Mannes, mein Mann und ich und unsere drei Kinder. Wir arbeiten und leben hier alle Hand in Hand“, sagt Linda Beische. Bereits seit Jahrhunderten sei der Hof ein Familienbetrieb, auf dem noch bis 2019 Landwirtschaft betrieben wurde.

Interessenkonflikt zwischen Beruf und Mutter-Dasein

Linda Beische ist staatlich geprüfte Kinderpflegerin, staatlich anerkannte Erzieherin sowie ausgebildete Bauernhofpädagogin. Vor dem Start der KiddyFarm hat sie als Erzieherin in einem Kindergarten gearbeitet. Dort war sie sowohl in Regelgruppen als auch im U3-Bereich tätig.

Im Jahr 2009 kam ihre Tochter Helena zur Welt. Zu dieser Zeit war Beische sich unsicher, wie sie ihr Leben hinsichtlich ihrer Familie und ihres Berufes weiterführen möchte. „Ich wollte weiterhin mit Kindern arbeiten, aber wollte meine eigene Tochter nicht so früh in die Betreuung geben“, so Beische.

Infolgedessen habe sie sich die Frage gestellt, wie sie ihren Beruf und ihren Job als Mutter miteinander kombinieren kann. „Und so ist dann nach und nach die Idee der KiddyFarm entstanden“, sagt sie. Als sich der Gedanke der Selbstständigkeit verfestigt hat, habe die Familie viel Zeit in den Ausbau und in das Konzept der KiddyFarm investiert. Hendrik Beische habe einen Bereich mit einem eigenem Wäldchen hinter dem Hof gerodet, umgebaut und Spielgeräte errichtet.

„Wir wollten einen Platz haben, wo sich die Kinder frei bewegen können. Von mir kamen dann meistens die Ideen und mein Mann hat die dann umgesetzt“, sagt sie.

Inzwischen steht den Kindern ein 2000 Quadratmeter großes Areal zur freien Verfügung. „Es hat eine lange Zeit gedauert, bis das alles fertig war“, führt Beische fort. Die offizielle Eröffnung der KiddyFarm folgte im Jahr 2013. Ab diesem Zeitpunkt wurden die ersten Kindergeburtstage auf dem Hof gefeiert.

„Wir haben immer an unsere Idee geglaubt“

Der Schritt in die Selbstständigkeit setzt eine Menge Mut und Willenskraft voraus. Dazu war die Idee von Linda Beische risikoreich, weil so etwas zu dem Zeitpunkt noch nicht verbreitet war. Daher habe sie kaum einschätzen können, ob überhaupt eine Nachfrage an Kindergeburtstagen auf dem Hof bestehe.

Beische sei in der glücklichen Position gewesen, dass ihr Ehemann ein sicheres Einkommen hatte. Trotzdem habe sie Angst gehabt, umsonst Geld in das Projekt zu investieren. „Dann habe ich mir damals gesagt: Wir versuchen das jetzt drei Jahre und schauen dann mal, wo die Reise hingeht“, sagt sie.

Von anderen Leuten und Bekannten sei Beische häufig für ihre Idee belächelt worden. „Mir wurde oft gesagt: ,Das nimmt doch keiner an. Wer bezahlt Geld dafür, auf einem Bauernhof zu feiern‘?“. Nichtsdestotrotz habe niemand sie und ihren Mann von ihrem Konzept der KiddyFarm abhalten können. „Wir waren uns sicher, dass diese Idee gut ist. Wir haben immer an unsere Idee geglaubt“, so Beische

Familie und Arbeit unter einen Hut bekommen

Für Linda Beische ist die größte Herausforderung, ihre Familie und ihre Arbeit unter einen Hut zu bekommen. In den vergangenen Jahren sei die KiddyFarm immer weiter gewachsen. „Von zwei Kindergeburtstagen in der Woche sind es jetzt sechs plus der Sonntag in der Festscheune“, sagt sie. Wenn ihre Kinder morgens in der Schule und im Kindergarten sind, beginne Beische alle Angelegenheiten für die Veranstaltung am Nachmittag vorzubereiten sowie organisatorische Aufgaben zu erledigen.

Am Nachmittag starte der Kindergeburtstag fast parallel zu der Rückkunft ihres Nachwuchses. „Ich muss dann schauen, was mache ich mit den Kindern, wer betreut meine Kinder, wer fährt sie zu ihren Hobbys“, so die dreifache Mutter. Inzwischen komme ihr Ehemann bereits am Nachmittag nach Hause. Das nehme Linda Beische viel Arbeit ab.

Eine weitere Herausforderung war die Corona-Pandemie. Während der Lockdowns habe Beische alle Termine absagen müssen. „Wir durften gar nichts machen, nicht eine Familie durften wir auf unser Gelände lassen. Wir hatten Existenzängste“, sagt sie.

Mittlerweile habe sich die Lage beruhigt und die Nachfrage an den Veranstaltungen sei wieder groß. Beische meint, dass vor allem Kinder während der Pandemie zurückstecken mussten. Deswegen freue sie sich jetzt besonders, viele glückliche Kinder bei sich zu haben. „Das Kinderlachen auf dem Hof zu hören, das ist das Schönste“, sagt sie.

Planwagenfahrt, Ponyreiten und Co.: Angebote der KiddyFarm

Die KiddyFarm hält verschiedene Angebote bereit. Kinder von zwei bis zehn Jahren können ihren Geburtstag mit ihren Freunden und ihrer Familie auf dem Hof feiern. Unter anderem können die kleinen Gäste in einer Strohburg toben, das Räuberwäldchen entdecken, einen Schatz im Stroh suchen, Ponys reiten, eine Planwagenfahrt machen und vieles mehr. „Es können ganz verschiedene Pakete nach den Wünschen des Kindes zusammengestellt werden“, sagt Linda Beische.

Außerdem können Kindergartengruppen, Schulklassen und Familien einen Gruppenausflug auf dem Hof buchen. Die Sommerferienbetreuung ist für Fünf- bis Zehnjährige geeignet. Sie können sie auf der Kiddyfarm eine abenteuerliche Woche verbringen.

Seit Sommer 2019 können nicht nur Kindergeburtstage auf dem Hof zelebriert werden. Die neu errichtete Festscheune gibt Platz für weitere Veranstaltungen, wie Kommunionen, Taufen, Konfirmationen oder Hochzeiten. Diese wird aus eigener Hand betrieben. Die Festscheune kann auch in Verbindung mit dem Gelände der KiddyFarm gebucht werden. Unabhängig für welchen Anlass mieten die Kunden das gesamte Areal für sich alleine. Das bedeutet, die Gruppe ist vollkommen unter sich und muss sich den Platz mit niemandem teilen.

Im kommenden Jahr möchte Familie Beische zusätzlich noch ein Angebot für Teenager von zehn bis fünfzehn Jahren bereitstellen, da für diese Zielgruppe nur wenige Möglichkeiten in Werne zur Verfügung stehen würden. „Wir wollen einen Partyraum anbieten, wo man Schwarzlichtpartys feiern kann und es soll eine Chill Out Zone geben“, verrät Linda Beische.

Über die Autorin
Freier Mitarbeiter
Neben dem Journalistik-Studium unterstützt Charlotte Schuster die Redaktion in Werne. Im Sommer 2020 hat sie ein Praktikum bei den Ruhr Nachrichten absolviert, welches ihr die schönen Seiten des Lokaljournalismus gezeigt hat.
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