Wernes Bürgermeister über Corona-Kontrollen: „Wir sind nicht darauf aus, Einnahmen zu erzielen“

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Durch die Corona-Lockerungen stehen die städtischen Kontrolleure laut Wernes Bürgermeister nun vor einer noch schwierigeren Aufgabe als zuvor. Die Stadt sei aber nicht aufs Geld der Bürger aus, sagt Lothar Christ.

Werne

, 18.05.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes können sich über mangelnde Beschäftigung in Zeiten von Corona nicht beklagen. Die Kontrolle der Einhaltung von Kontaktsperre und Abstandsregelung, von Maskenpflicht, erhöhten Hygienestandards und Co. beansprucht nicht nur Zeit sondern teils auch die Nerven der Beamten.

Aus dem Shutdown herauszukommen sei eine noch anspruchsvollere Aufgabe, als in ihn hineinzugehen, hatte Wernes Bürgermeister Lothar Christ kürzlich in einem Video-Chat mit unserer Redaktion betont. Während man ab März quasi alles heruntergefahren habe und das öffentliche Leben fast zum Stillstand geriet, bedeuteten die aktuellen Lockerungsmaßnahmen für die Ordnungskräfte eher eine zusätzliche Belastung statt einer Entlastung.

„Ich bin froh über jede Lockerungsmaßnahme, über jeden Schritt, über alles, was jetzt endlich wieder möglich ist. Aber das ist für uns auch eine große Herausforderung“, so Christ.

Stadt zählt 200 Verwarnungen und 30 Bußgelder

Generell seien die große Akzeptanz der Einschränkungen und die Disziplin der Bevölkerung ausschlaggebend dafür gewesen, dass Lockerungen nun überhaupt möglich seien. Doch nicht jeder Werner zeigte sich in den vergangenen beiden Monaten einsichtig, wenn er von einem der gut 50 kontrollierenden städtischen Mitarbeitern, die teils auch aus anderen Abteilungen als dem Ordnungsamt kommen, auf sein Fehlverhalten hingewiesen wurde

Insgesamt gut 200 Verwarnungen habe die Stadt seit März ausgesprochen - und 30 Bußgelder. „Wir haben es bislang so gehandhabt, dass wir die Menschen zunächst angesprochen haben. Wenn sie verständig waren, dann blieb es bei einer Verwarnung. Wenn aber jemand uneinsichtig war oder als Wiederholungstäter in Erscheinung getreten ist, dann musste er ein Bußgeld zahlen. Und wir wollen das auch weiter so handhaben“, so Christ,

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Die Höhe eines solchen Bußgelds hängt vom Vergehen ab. Bei einem Verstoß gegen die Kontaktsperre kann der Sünder mit einer Geldstrafe von 200 Euro rechnen. Wer gegen die Maskenpflicht verstößt, wird mit etwa 50 Euro zur Kasse gebeten. Es liege aber auch ein wenig im Ermessen des Kontrolleurs.

Wernes Bürgermeister betont allerdings, dass es der Stadt bei den Kontrollen keineswegs darum gehe, Einnahmen zu generieren. „Bei 30 Bußgeldbescheiden wären das jetzt maximal 6000 Euro. Unsere bisherigen Ausgaben im Zusammenhang mit der Corona-Krise waren deutlich höher.“

Während die Lage in Werne bislang weitestgehend ruhig ist, hatte es in Städten wie Dortmund zuletzt starke Proteste gegen die Corona-Maßnahmen gegeben. Bei einer unerlaubten Demo kam es dort unter anderem zu zahlreichen Verstößen und sogar Übergriffen durch Angehörige der rechtsextremen Szene. Ein ähnliches Szenario befürchtet Wernes Bürgermeister für die Lippestadt jedoch nicht.

Wernes Bürgermeister über Corona-Kontrollen: „Wir sind nicht darauf aus, Einnahmen zu erzielen“
„Ich glaube auch nicht, dass wir im Kreis Unna, starke Tendenzen zu solchen Demonstrationen haben. “
Lothar Christ

„Ich glaube auch nicht, dass wir im Kreis Unna starkte Tendenzen zu solchen Demonstrationen haben. Grundsätzlich sind Demonstrationen ein hohes Gut. Die Menschen sind unterschiedlicher Meinung und dürfen das auch äußern. Aber ich habe den Eindruck, dass der allergrößte Teil der Bevölkerung hinter den Maßnahmen steht“, so Christ.

Sollte es zu ähnlichen Situationen und gegebenenfalls Konfrontationen in Werne kommen, dann stünden auch nicht unbedingt die Mitarbeiter des Ordnungsamtes im Mittelpunkt. „Unsere Mitarbeiter haben einen ganz anderen Auftrag als etwa Polizisten“, betont Wernes Bürgermeister.

Während letztere - wenn nötig - auch handfest eingreifen müssen, käme für die städtischen Beamten ein solches Vorgehen aus mehreren Gründen nicht in Frage: Einerseits vermeide man auch schon bei den aktuellen Kontrollen den direkten „Face-to-Face-Kontakt“ im Sinne des Eigenschutzes - und andererseits seien die Ordnungsamtsmitarbeiter für eine physische Konfrontation überhaupt nicht ausgebildet.

Video
Corona-Chat mit Wernes Bürgermeister Lothar Christ

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