Dieses Portrait von Wernes einziger Ehrenbürgerin hängt im Sitzungssaal des Alten Rathauses in Werne. © Karl-Heinz Möller
Berühmte Werner

Wernes einzige Ehrenbürgerin verließ die Stadt schon als Kind

Wer mit offenen Augen durch Werne geht, dem begegnet eine Frau gleich mehrfach: Antonie Jüngst. Sie ist bis heute die einzige Ehrenbürgerin der Stadt - dabei zog sie schon als Kind fort.

Im Karl-Pollender-Stadtmuseum ist eine Vitrine ihr gewidmet, ihr Portrait hängt im alten Rathaus – denn sie ist die einzige Ehrenbürgerin der Stadt. Das sind allerdings nicht die einzigen Orte, die an Antonie Jüngst erinnern. Auch eine Straße ist nach ihr benannt und an ihrem Geburtshaus an der Steinstraße hängt eine Gedenktafel. Die Aufschrift: „Antonie Jüngst – Dichterin – in diesem Hause geb. am 13.IV.1843, gest. am 8.VI.1918 zu Münster“.

Wer war die Frau, der die Stadt Werne an so vielen Orten gedenkt? Eine Frage, die aus rein Werner Sicht nicht leicht zu beantworten ist. Denn Antonine Jüngst wurde zwar in Werne geboren, als elftes von zwölf Kindern im damaligen Haus Nr. 158, der heutigen Steinstraße 6. Aber bereits im Alter von fünf Jahren verließ sie ihre Geburtsstadt – aufgrund tragischer Ereignisse.

Mit fünf Jahren schon Vollwaise

Der Vater, Sohn eines evangelischen Pfarrers, verstarb schon ein Jahr nach Antonies Geburt. Die Mutter, streng katholisch, blieb mit zwölf Kindern allein. Keine vier Jahre später verstarb auch sie im Alter von 44 Jahren – und die Kinder wurden zu Vollwaisen.

In der damaligen Zeit war es üblich, die Geschwister auf Verwandte und Bekannte zu verteilen. Antonie kam zu einem kinderlosen Ehepaar. Der Stiefvater, Justizrat Crone, und dessen Frau lebten zunächst in Rheine, dann in Münster. Als Urenkelin des Jura-Professors Wolrad Burchardi erhielt Antonie Jüngst eine damals für Frauen ungewöhnliche Ausbildung: Sie wurde zu den Ursulinen zu St. Leonhard in Aachen geschickt.

Ihre dichterischen Fähigkeiten waren vielen Menschen schon aufgefallen und im guten Freund und Mentor Anette von Droste-Hülshoffs fand auch Antonie Jüngst einen Fürsprecher, der sie ermunterte ihre Werke zu veröffentlichen.

Einige ihrer bedeutendsten Werke erschienen im Schöningh-Verlag aus Paderborn.

An ihrem Geburtshaus, der heutigen Steinstraße 6, hängt eine Gedenktafel. Neben ihrem Konterfei wird die Tafel durch Schriftzug und Geburts- sowie Sterbetafel geziert.
An ihrem Geburtshaus, der heutigen Steinstraße 6, hängt eine Gedenktafel. Neben ihrem Konterfei wird die Tafel durch Schriftzug und Geburts- sowie Sterbetafel geziert. © Karl-Heinz Möller © Karl-Heinz Möller

Reise-Eindrücke in Texten festgehalten

Mit ihren Pflegeeltern unternahm sie zahlreiche Reisen ins In- und Ausland, später reiste sie mit der Pflegemutter auch allein. Die Eindrücke ihrer Reisen hielt sie in Gedichten, Erzählungen und Epen fest, aber auch tief religiöse Dichtungen wie „Maria Magdalena“ stammen aus ihrer Feder. Auch musikdramatische Dichtungen wurden von ihr verfasst und die mit Petrinus verfassten Oratorien wurden teilweise vertont und in Amsterdam und anderen Städten aufgeführt.

Den Großteil ihres Lebens, das fast 75 Jahre währte, lebte Antonie Jüngst in Münster, doch ihre Heimatstadt Werne vergaß sie nie, wie ein Text zeigt, der 1993 erstmals bei der Einweihung ihrer Vitrine im Stadtmuseum vorgetragen wurde. Darin schildert sie die Schönheit Wernes – und ihre Erinnerungen an eine glückliche Kindheit inmitten der Natur.

Im Dezember 1917 erlitt Antonie Jüngst einen Schlaganfall, der sie ans Bett fesselte. Einen zweiten wenige Monate später überlebte sie nicht. Antonie Jüngst starb am 8. Juni 1918 wenige Tage vor ihrem 75. Geburtstag. Ihr gesamter Nachlass ging an das Franziskaner-Kloster in Münster und die Uni-Bibliothek Münster.

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