Der Heilige Christophorus zierte einst das Werner Stadtsiegel. © Felix Püschner
Werner Geschichte(n)

Wernes Stadtpatron: Vom Statisten zum umjubelten Hauptdarsteller

Der Heilige Christophorus gilt als Wernes Stadtpatron. Aber warum eigentlich? Tatsächlich hat er sich gegen einen prominenten „Konkurrenten“ durchgesetzt – und sicherte sich einen ganz besonderen Platz.

Der heilige Christophorus ist in unserer Heimatstadt Werne sehr präsent und überall an Gebäuden, Häusern und an Fenstern in Kirchen und in ehemaligen Schulgebäuden zu finden, so zum Beispiel auch am Giebel unseres historischen Rathauses und an dem leider fast schon baufälligen Haus des ehemaligen Bürgermeisters Wenning an der Südmauer.

Wieso ist ausgerechnet der Heilige Christophorus sowohl unser Kirchen- als auch der Stadtpatron von Werne geworden? Der erste Schutzheilige für die Pfarrkirche war zunächst Johannes der Täufer – aber schon im Jahre 1223 erscheint in Siegeln Christophorus zunächst als Mitpatron und später dann als Hauptpatron. Dieser Wechsel ist wahrscheinlich auf die Übernahme der Pfarre Werne durch das Prämonstratenserkloster Cappenberg im Jahre 1139 zurückzuführen.

So sah das alte Werner Stadtwappen aus.
So sah das alte Werner Stadtwappen aus. © Felix Püschner © Felix Püschner

Nachdem Werne bereits seit 1275 über eine eigene niedere Gerichtsbarkeit verfügte, 1362 und 1383 die Marktfreiheit zu Simon-Juda und das Befestigungsrecht erhielt und kurz darauf als „wigbold“ in den Kreis der landtagsfähigen Städte im Oberstift Münster aufgenommen worden war, kann Werne nun eindeutig als Stadt bezeichnet werden, obwohl es nie offiziell die Stadtrechte verliehen bekommen hat.

Das erste Siegel von Werne stammt um 1400 und befindet sich im Stadtarchiv Nordkirchen. Zwei Siegelabdrücke an den Urkunden von 1468 und 1470 zeigen das Balkenschild des Bistums Münster (roter Balken im goldenen Feld) und den Hl. Christophorus als Schildhalter in unterschiedlicher Gestalt. In der Pergamenturkunde vom 13. Dezember 1468 bestätigt der Propst von Cappenberg, Lubert von Diepenbrock, die Stiftung der Vikarie S. Mariae Magdalenae in der Pfarrkirche zu Werne.

Werne war fast 500 Jahre ohne festgelegtes Wappen

Der Silberstempel für den an dieser Urkunde hängenden Siegelabdruck ist heute noch vorhanden und im Werner Museum zu besichtigen. Die Umschrift des Siegels lautet: „Sigillum opidi Wernensis“ (Siegel der Stadt Werne). Alle Werner Urkunden zwischen 1468 und 1680 tragen diese Siegelabdrücke.

Eine genau festgelegte Form des Wappens besaß die Stadt Werne fast 500 Jahre lang nicht. Die städtischen Körperschaften beschlossen deshalb im Jahre 1924, ein solches anfertigen zu lassen. Zu Grunde wurde dabei der noch vorhandene Silberstempel von 1468 gelegt. Die Herstellung des neuen Wappenbildes übertrug man dem Wappenkünstler Prof. Otto Hupp aus Schleißheim bei München, der ein 30 cm hohes farbiges Wappenbild erstellte, das sich heute noch im Werner Museum befindet.

Das Wappen war an vielen Gebäuden zu finden - auch hier am Haus an der Südmauer 27. Das Foto stammt aus den 1960er Jahren.
Das Wappen war an vielen Gebäuden zu finden – auch hier am Haus an der Südmauer 27. Das Foto stammt aus den 1960er Jahren. © Felix Püschner © Felix Püschner

Der Stadtgrafiker Karl Losch, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiern könnte, schuf dann ein moderneres Wappenbild, das noch heute gebräuchlich und auf den offiziellen Briefköpfen und ähnlichem zu sehen ist. Sankt Christophorus gehört zwar offiziell nicht mehr zu den anerkannten Heiligen der katholischen Kirche, aber er ist immer noch einer der 14 Nothelfer und auch heute noch sehr beliebt als Schutzpatron der Reisenden, der Seefahrer, der Flößer, der Lkw-, Bus- und Taxifahrer, die oft ein Bildnis von ihm an ihrem Armaturenbrett hängen haben.

Wer war der heilige Christophorus?

  • Der Heilige Christophorus (altgriechisch „Christusträger“) wird häufig als Riese mit Stab dargestellt, der das Jesuskind auf den Schultern durch einen Fluss trägt. Mitten im Fluss wurde das Kind immer schwerer, so dass Christophorus meinte, er müsse ertrinken.
  • Am anderen Ufer sprach er zum Kind: „Du bist auf meinen Schultern so schwer gewesen, als hätte ich die ganze Welt getragen“ und das Kind antwortete: „Du hast nicht nur alle Welt auf den Schultern getragen, sondern auch den, der die Welt erschaffen hat, Christus, dein König.“ Historisch ist diese Legende nicht belegt – wahrscheinlich hat es diese Gestalt nie gegeben.

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