Wie Patchwork-Familien klar kommen

Tipps vom Psychologen

Wenn zwei sich trennen, muss ein Dritter nicht unbedingt leiden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich das ehemalige Paar nach seiner Trennung weiterhin als Eltern sieht und das Wohl der Kinder im Blick hat. Psychologe Joachim Ronge gibt Tipps für Patchwork-Familien.

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von Von Beate Rottgardt

, 17.04.2011, 20:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Sicher nicht immer einfach, weil natürlich auch Verletzungen da sind, wenn Emotionen im Spiel sind", betont Joachim Ronge. Der Psychologe der Caritas-Beratungsstelle kennt Probleme von getrennten Familien und auch die von Patchworkfamilien aus seiner Beratungstätigkeit.Vertraute Strukturen zerstört

"Das Verbindende bei getrennten Paaren sollte das Wohl der Kinder sein, leider aber oft nur in der Theorie", weiß Ronge. Für Kinder bedeutet die Trennung der Eltern eine große Unsicherheit, die vertrauten Strukturen gehen kaputt.

"Wünschenswert ist es, klare Vereinbarungen zu treffen, auch um die gute Beziehung beider Elternteile zum Kind zu erhalten. Wenn man das schafft, verkraften Kinder eine Trennung auch", so Ronge. Vermeiden sollte man auf jeden Fall, dass das Kind zwischen die Konfliktlinien gerät.Neue Liebe

Auf neue Gegebenheiten müssen sich Kinder auch einstellen, wenn sich die Mutter (oder der Vater) neu verliebt, mit dem neuen Partner zusammen zieht und vielleicht auch noch ein gemeinsames Kind bekommt. "Da gibt es zu Beginn viele Unsicherheiten - bei Erwachsenen und Kindern", betont Ronge.

Und eine Menge Konfliktpotential, zumal wenn der neue Partner selbst Kinder hat, die zur neuen Patchworkfamilie dazu kommen. Rivalitäten unter den Kindern, die Angst, vom eigenen Elternteil nicht mehr genügend Aufmerksamkeit und Liebe zu bekommen - all das belastet die Kinder. Und damit auch die neue Partnerschaft.

Der Psychologe rät, dass die Erwachsenen auch in der neuen (Patchwork-)Familie Regeln und Strukturen entwickeln sollten, an die man sich gemeinsam hält und die auch Halt geben.

Mit Konflikten umgehen

"Konflikte kann man nicht verhindern, aber man kann mit ihnen umgehen lernen", so Ronge. Und es sei auch ganz normal, dass einem die eigenen Kinder näher stehen als die des neuen Partners. Und umgekehrt. Ronge: "Wichtig ist, dass Respekt und Anerkennung da sind."

"Kämpfe" in der (neuen) Familie können viel Energie kosten und so sollte man sich auch als Paar wenn möglich Auszeiten nehmen. Ronge: "Ein Problem sind meist hohe Erwartungen an die neue Partnerschaft, man will alles sofort besser machen als in der gescheiterten Beziehung." Er rät, sich Zeit zu nehmen, auch für mögliche Krisen - und daran zu denken, warum man zusammen gekommen ist.

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