„Mir standen Tränchen in den Augen“ - rührendes Wiedersehen im Werner Altenheim

mlzAltenheime am Muttertag

Am Sonntag (10. Mai) durften die Pflegeheime wieder für Besucher öffnen. Am Muttertag gab es viele fröhliche Wiedersehen auf Distanz - das ging selbst dem Personal in Werne nahe.

Werne

, 11.05.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Wochen lang durften Bewohner von Seniorenheimen ihre Lieben nicht mehr sehen. Nun, am 10. Mai, wurden die Regeln gelockert und die Bewohner durften wieder Besuch empfangen. Viele emotionale Begegnungen gab es am Muttertag. „Es gab mehrere Momente, in denen ich mir die Tränen verkneifen musste“, erzählt Anke Adebahr, Leiterin des Pflegeheimes St. Antonius. Nicht nur die Angehörigen, sondern auch das Personal war zutiefst gerührt.

„Jede Begegnung ist einzigartig und jede war auf ihre Weise schön. Es gab tiefsinnige Gespräche, aber auch ganz hoffnungsvolle, fröhliche, bei denen von Herzen gelacht wurde“, so Adebahr. In vielen Fällen habe man gespürt, dass die Bewohner gerne ihre Angehörigen fest in den Arm genommen hätten - dass das nicht möglich war, ging der Einrichtungsleiterin nah.

Selbst das Personal hat die Angehörigen vermisst

Nach all den Wochen habe selbst sie sich gefreut, die Angehörigen wiederzusehen: „Normalerweise geht es hier zu wie im Taubenschlag. Die Besucher gehen ein und aus. Man kennt die Angehörigen und weiß, wann sie üblicherweise vorbeikommen. Im Alltag merkt man gar nicht, wie wichtig sie einem sind.“

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Nicht jeder Besuch lief ganz reibungslos: Gerade bei Demenzkranken und Bewohnern mit Hörproblemen habe das Personal geholfen, so Adebahr: „Wir haben Übersetzer gespielt und den Bewohnern noch einmal laut gesagt, was ihre Kinder gesagt haben, damit die Gespräche nicht so einseitig waren.“ Obwohl bei der Terminvereinbarung am Telefon betont wurde, dass es keinen Körperkontakt und kein normales Kaffeekränzchen geben würde, seien manche Angehörige enttäuscht über diesen Umstand gewesen.

Ansturm im Seniorenheim auch am Montag

Die Meisten seien hingegen einfach froh gewesen, ihre Mütter und Väter wiedersehen zu dürfen. „Die Mütter haben von uns einen Blumenstrauß bekommen. Manche der Angehörigen brachten auch eine kleine Aufmerksamkeit mit“, erzählt Adebahr. Doch auch die Väter wurden am Muttertag besucht - und werden es noch immer. Für den Montag sind alle Besuchstermine ausgebucht.

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Drei Besuchsareale gibt es im St.-Antonius-Heim. Um den Ansturm richtig lenken zu können, wurden die Mitarbeiter aus der Verwaltung am Wochenende eingespannt. „Die Pfleger müssen sich weiterhin um die Bewohner kümmern, die gerade nicht besucht werden. Das hat natürlich Priorität. Unsere Verwaltungsmitarbeiter haben sich schon freiwillig gemeldet, dass sie am nächsten Wochenende wieder helfen wollen“, so die Leiterin der Einrichtung.

Besuchskonzept kann sich noch ändern

146 Bewohner beherbergt das Heim. Bis die alle einmal besucht wurden, vergehen einige Tage. „Irgendwann wird sich der Andrang wieder legen“, vermutet Adebahr. Jeder Besucher hat aktuell ein Zeitfenster von etwa 20 Minuten. „Manchen war dieser Zeitraum zu kurz. Wir sammeln weiter Erfahrungen und schauen dann, ob und wie wir unser Konzept anpassen. Das ist nicht in Stein gemeißelt“, so die Einrichtungsleitung.

In den vier betreuten Wohnanlagen für Senioren vom Pflegedienst Jakubke seien die Begegnungen nicht ganz so emotional abgelaufen, berichtet Pflegedienstleiter Daniel Weigert. Ein Großteil der Bewohner sei dement und habe daher die Angehörigen nicht so stark vermisst - die hingegen hätten sich aber riesig gefreut, ihre Lieben wieder sehen zu dürfen.

„Bedürfniserfüllung“ für die Angehörigen

Weigert spricht ein großes Lob an die Angehörigen aus, denn die hätten sich vorbildlich an die Regelungen gehalten. „Es ist sehr schwer, sich nach all der Zeit nicht in den Arm zu nehmen. Muttertagsgeschenke haben wir auch nicht angenommen - trotzdem war es eine Bedürfniserfüllung für die Angehörigen, ihre Eltern einfach nur wiederzusehen.“

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