Die bargeldlose Zahlung wird immer beliebt. Diese Entwicklung ist nicht zuletzt der Corona-Krise geschuldet. © Clay Banks Unsplash
Geschäfte und Bäckereien

Wird künftig nur noch Kartenzahlung in Werne möglich sein?

Kartenzahlung erfreut sich immer größerer Beliebtheit, weshalb Geschäfte zunehmend auf die bargeldlose Alternative umsteigen. Wird sich dieser Trend auch in Werne durchsetzen?

„Wir bitten Sie darum, weitestgehend auf Bargeldzahlungen zu verzichten und wenn möglich, ihren Einkauf mit der EC-Karte, gerne auch kontaktlos, zu zahlen” – Seit der Corona-Krise ist ein solches Anliegen von Seiten der Läden zur Gewohnheit geworden. Abgesehen davon, ist die bargeldlose Zahlungsweise auch praktisch und nimmt Geschäften viel Arbeit ab. Können die Werner ihre Sonntagsbrötchen, ihr Stückchen Kuchen und ihr neues Kleidungsstück künftig nur noch mit Karte bezahlen?

Café Telgmann begrüßt bargeldlose Zahlungen

„Von mir aus könnte es gerne so passieren, dass wir hier gar kein Bargeld mehr verwerten, weil es einfach ein extremer Aufwand ist, den wir mit Bargeld betreiben müssen”, sagt Friedrich Telgmann, Inhaber von Konditorei Café Telgmann. Er biete bereits seit zwei Jahren in allen Filialen die Kartenzahlung an und seine Kunden würden dieses Angebot sehr gut annehmen.

Telgmann verweist auf den hohen Aufwand und die Kosten, die Bargeld verursache. „Bei vielen Kreditinstituten muss man für das Rollengeld teilweise 50 Cent bezahlen”. Demzufolge seien die Kosten einer Münzrolle mit fünf-Cent-Münzen höher als der Betrag des erworbenen Wechselgeldes. Außerdem würden einige Banken inzwischen Gebühren dafür verlangen, Geld einzuzahlen. „Beim bargeldlosen Zahlen fällt das weg”, führt er fort.

Im Gegensatz zu vielen anderen Cafés, gibt es bei Telgmann keinen Mindestbetrag, um mit Karte zu zahlen. „Es gibt ja Kollegen, die nehmen Kartenzahlung er ab 15 Euro an. Das finde ich heute im Zuge der Dienstleistung sehr schwierig”, sagt er. Er habe kein Problem damit, wenn seine Kunden ein Brötchen für 40 Cent bargeldlos zahlen.

Telgmann kenne eine Bäckerei in Düsseldorf, die kein Bargeld mehr annimmt. Jedoch wisse er nicht, inwiefern sich ihr Geschäft seither entwickelt habe. „Ich bin mal gespannt auf das Feedback, was die Kollegen in Düsseldorf gekriegt haben.” Obwohl der Inhaber die ausschließliche Zahlung mit Karte für sein Café gutheißen würde, habe er Bedenken. „Ich finde es im Augenblick noch etwas schwierig. Ich denke, da ist die Akzeptanz gerade in dem Seniorenbereich sehr schwierig”, so Telgmann.

Ausschließliche Kartenzahlung ist kundenunfreundlich

Jutta Schulze Bisping, die Inhaberin der Backwerkstatt, hat eine andere Auffassung als Friedrich Telgmann. Sie würde „auf keinen Fall” ausschließlich bargeldlose Zahlungsweisen anbieten. „Ich halte es für sehr kundenunfreundlich, wenn man nur noch Kartenzahlung anbietet”, sagt sie.

Zudem ist die Inhaberin sich sicher, dass ihre Kunden es negativ auffassen würden, wenn sie nicht mehr mit Bargeld zahlen könnten. „Ich weiß nicht, ob das jetzt typisch Werne ist, aber ich glaube es ist eher typisch Deutsch, dass die Kunden noch ihr Bargeld haben wollen”, sagt sie.

Kartenzahlung sei ebenfalls problematisch, wenn Kinder sich auf dem Weg zur Schule noch ein Teilchen bei ihr kaufen möchten. „Da sprechen wir von ganz kleinen Summen. Wie soll das gehen?” Einen Vorteil sieht sie dennoch an der ausschließlichen Kartenzahlung: „Es gibt keine Wechselgeldfehler mehr. Das wird damit komplett ausgeschlossen”, sagt sie.

Auch Omas Café möchte weiterhin die Zahlung mit Bargeld sowie die Kartenzahlung anbieten. Das liege auch im Interessen ihrer Kundschaft. „Wir haben ja überwiegend ältere Gäste. Eine Dame, die auf die 80 Jahre zugeht, rennt in der Regel nicht mit einer EC-Karte durch die Gegend”, sagt Nicole Kiwitt, Inhaberin von Omas Café.

Außerdem habe sie aufgrund der Kartenzahlung einen höheren Arbeitsaufwand und hinzukommende Kosten. „Ich habe durch Kartenzahlung keine Vorteile. A: zahle ich Geld drauf, B: muss ich die Buchführung anders gestalten und C: viele von den Älteren haben noch keine Karte”, sagt sie.

Vergangenes Jahr hat die Bundesbank durch eine repräsentative Befragung festgestellt, dass bargeldlose Zahlungsweise in Deutschland häufiger genutzt werden. Die Bank informierte, „dass an der Ladenkasse, in der Freizeit, im Onlinehandel und bei weiteren Zahlungsanlässen 30 Prozent mit einer Karte getätigt wurden”. 2017 war der Wert noch neun Prozentpunkte geringer.

Karte oder Bar? Auf den Betrag kommt es an

Für Julia Julia Annertzok, Inhaberin von La Casa Damenmoden und Zaubermaus, sei die ausschließliche bargeldlose Zahlungsweise keine Option. „Es gibt viele, die auf ihr Bargeld nicht verzichten möchten. Gerade die Älteren sind mit der Kartenzahlung noch gar nicht so firm”, begründet sie.

Sie ziehe weder einen Nachteil aus der Bar- noch aus der Kartenzahlung: Auf ihr Kartenlesegerät zahle sie Gebühren und ihr Bargeld müsse sie am Abend zählen – beide Aspekte seien unproblemtisch. Welche Zahlungsart die bessere wäre, sei mitunter von dem zu bezahlenden Betrag abhängig. „Ab so einem bestimmten Betrag ist es ganz nett mit der EC-Karte zu zahlen, aber die Kleckerbeträge kann man viel besser bar zahlen.”

Die Boutique „Your Brands Werne” bietet viele verschiedene Zahlungsmöglichkeiten an. „Der Kunde soll hier so bezahlen können, wie er möchte, ob mit Karte, PayPal, Apple Pay, bar, Gutscheinen oder sonst wie”, so Anne Seidler, Geschäftsinhaberin von Your Brand Werne. Seit der Corona-Krise würde ihre Kundschaft sich häufiger für bargeldlose Alternativen entscheiden, „aber verhältnismäßig ist es jetzt nicht dramatisch mehr geworden”, sagt sie.

Über die Autorin
Freier Mitarbeiter
Neben dem Journalistik-Studium unterstützt Charlotte Schuster die Redaktion in Werne. Im Sommer 2020 hat sie ein Praktikum bei den Ruhr Nachrichten absolviert, welches ihr die schönen Seiten des Lokaljournalismus gezeigt hat.
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