Werner Wochenmarkt findet statt: Händler fürchten wirtschaftliche Folgen mehr als den Virus

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Auf dem Wochenmarkt geht trotz vieler Corona-bedingter Absagen alles seinen üblichen Gang. Die Kunden sind größtenteils entspannt - Die Sorge vor einer Absage des Marktes schwelt unter den Händlern

Werne

, 15.03.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Das größte Problem ist die Panikmache“, meint Gemüsehändler Andreas Kraienhemke. Auf acht Märkten in der Woche ist seine Familie unterwegs und beobachtet immer häufiger Menschen mit Atemmasken - und zwar solche ohne den zum Virenschutz nötigen Filter. Auch an seinem Stand macht sich die Sorge der Kunden bemerkbar: „Das Kaufverhalten ändert sich. Kartoffeln sind in letzter Zeit besonders beliebt“, berichtet er.

„Viele kaufen jedoch ganz gewöhnlich ihr Gemüse. Das ist auch gut so. Vitamine helfen dem Immunsystem“, fügt er hinzu. Generell jedoch sei weniger los auf den Wochenmärkten und das beunruhigt Kraienhemke: „Ich habe viel mehr Angst vor den wirtschaftlichen Folgen als vor der Krankheit als solche. Wir Händler und auch Kirmesleute leben vom Markt. Wenn der irgendwann dicht macht, fehlt uns unsere Existenzgrundlage.“

Bisher keine Markt-Absage geplant

Noch sieht es gut aus für den Werner Wochenmarkt: Am Freitag (13. März) verteilte das Stadtmarketing Flyer, auf denen betont wird, dass der Markt weiterhin stattfinden wird.

Am Fruchtpower-Stand geht alles seinen gewöhnlichen Gang. Von Hamsterkäufen sei laut dem Inhaber keine Spur.

Am Fruchtpower-Stand geht alles seinen gewöhnlichen Gang. Von Hamsterkäufen sei laut dem Inhaber keine Spur. © Sylva Witzig

„Schlechtes Wetter ist im Moment eher mein Problem“, sagt der Betreiber des Nuss- und Trockenfrüchtestandes, während er die flatternden Planen eben dessen festhält. „Meine Stammkunden sind mir treu und kommen weiterhin. Gekauft werden übliche Portionsgrößen - also keine Spur von Hamsterkäufen“, berichtet er.

Auch der Trockenfrüchtehändler macht sich Sorgen um das Fortbestehen seines Standes: „Jeden Morgen gucke ich auf mein Handy und hoffe, dass der Markt nicht abgesagt wurde.“ Zur Not habe er einen Plan B: Unter Fruchtpower.de oder per Whatsapp könne man seine Waren bestellen und liefern lassen. Das gelte explizit auch für Kunden, die nicht mehr an die frische Luft kommen wollen oder können.

Der Wochenmarkt findet trotz zahlreicher Veranstaltungs-Absagen weiterhin statt. Hier herrscht zwar keine gähnende Leere - etwas weniger Kundschaft als üblich verzeichnen die Händler jedoch.

Der Wochenmarkt findet trotz zahlreicher Veranstaltungs-Absagen weiterhin statt. Hier herrscht zwar keine gähnende Leere - etwas weniger Kundschaft als üblich verzeichnen die Händler jedoch. © Sylva Witzig

„Markthändler sind Grundversorger!“

„Man kann sich nicht vor allem schützen. Gefährlich ist das Virus ja nur für alte und schwache Leute. Die sterben auch tausendfach an einer normalen Grippe“, meint eine Marktbesucherin im gehobenen Alter. „Besonders schlimm ist die aktuelle Entwicklung des Virus für die Wirtschaft und all die Vereine, deren Veranstaltungen nun ins Wasser fallen.“

„Der Markt ist keine Veranstaltung, die einfach so abgesagt werden kann. Wir sind Grundversorger!“, betont Fischhändler Karl Heitze. „Am Schlimmsten wäre es, wenn die Grenzen geschlossen würden. Dann hätte ich auch keine Waren mehr für unsere Kunden.“ Am Kaufverhalten seiner Kunden habe sich bislang nichts geändert - wohl aber an seinem Angebot: „Wir haben seit heute aus Infektionsschutzgründen keine Stehtische mehr, damit die Menschen nicht beisammen stehen“, erklärt er.

„Corona kommt näher - räumlich und gefühlsmäßig“

„Von Tag zu Tag entwickelt sich die Lage anders. Ich habe keine Angst vor dem Virus und kaufe auch noch ganz normal ein, aber man spürt schon deutlich: Corona kommt näher, nicht nur räumlich, sondern auch gefühlsmäßig“, erzählt Markt-Kundin Ursula Schulze-Bisping beim Einkauf am Obststand.

An Oliver Wulfs Käsestand herrscht keine Panik. "In Sachen Hygiene geben wir ohnehin 100 Prozent", sagt er. Auch die Kunden bunkern nicht massenweise Käse.

An Oliver Wulfs Käsestand herrscht keine Panik. "In Sachen Hygiene geben wir ohnehin 100 Prozent", sagt er. Auch die Kunden bunkern nicht massenweise Käse. © Sylva Witzig

„Die Leute kaufen etwas verhaltener ein. Generell ist weniger los auf dem Markt“, berichtet auch Käsehändler Oliver Wulf. Hamsterkäufe konnte er nicht verzeichnen: „Käse schmeckt auch einfach nicht so gut, wenn er eingefroren war“. An seinem Stand habe sich durch das Coronavirus nichts verändert: „Wir haben schon vorher 100 % in Sachen Hygiene gegeben. Mehr können wir auch nicht machen“, sagt er. „Händewaschen ist für mich völlig normal, auch im privaten Umfeld.“

Auch Wulf beschäftigt die Ungewissheit der Zukunft: „Auf einer Skala von eins bis zehn liegt meine Sorge um eine Absage der Wochenmärkte bei ungefähr fünf. Ich habe keine Ahnung, was ich machen würde, wenn ich vier Wochen lang nicht auf dem Markt stehen könnte.“

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