Wohnungseinbrüche werden nicht oft aufgeklärt. Wie lässt sich das ändern und wie sollten sich Bürger im Ernstfall verhalten? © picture alliance / dpa
Kriminalität

Wohnungseinbrüche – So sollen sich Anwohner im Ernstfall verhalten

Die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen ist überschaubar. Aber es gibt Mittel, sie zu verbessern – und Wege, die Bürger besser nicht beschreiten sollten. Wir haben bei der Polizei nachgefragt.

Wenn es um die Aufklärung von Wohnungseinbrüchen geht, tappen die Ermittler oft zunächst im Dunkeln. Und häufig bleibt es auch dabei. Das zeigt ein Blick in die amtliche Kriminalstatistik. Denn die sogenannten Wohnungseinbruchsdiebstähle gehören – wie Diebstahl im Allgemeinen – zu den Deliktgruppen, die eine eher überschaubare Aufklärungsquote haben.

So ist die Zahl dieser Delikte in Werne zuletzt zwar stark rückläufig gewesen – doch gilt das auch für den Anteil der aufgeklärten Fälle. 2 von 22 waren es im Jahr 2020. Das entspricht einem Anteil von gut 9 Prozent. Demgegenüber stehen 4 von 36 in 2019 (11 Prozent) und 8 von 43 in 2018 (18 Prozent). 2017 gab es in der Lippestadt noch 84 Fälle von Wohnungseinbruchsdiebstahl. Nur 9 davon wurden aufgeklärt.

Polizeisprecher: Niemand sollte den Helden spielen

Aber was erhöht eigentlich die Chancen darauf, dass der oder die Täter auch gefasst werden? Neben der Spurensicherung am Tatort, die durch das Landeskriminalamt (LKA) erfolgt und deren Auswertung in der Regel längere Zeit in Anspruch nimmt, spielt eine aufmerksame Nachbarschaft eine wichtige Rolle. „Das ist eine echte Bereicherung für unsere Arbeit“, sagt Christian Stein, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Unna.

Gleichzeitig warnt er jedoch vor zu viel Zivilcourage. Denn niemand sollte in solchen Fällen den Helden spielen und versuchen, den Täter selbst zu stellen. „Dadurch begibt man sich in Gefahr. Niemand weiß, wie der Täter in so einer Stresssituation reagiert“, so Stein. Brecheisen oder Schraubendreher könnten dann zu gefährlichen Waffen werden.

In Werne hatte sich eine Anwohnerin am Samstag (17. Juli) vorbildlich verhalten. Als sie bemerkte, dass sich verdächtige Personen an der Wohnung des Nachbarn zu schaffen machten, alarmierte sie die Polizei. Letztere konnte die beiden Beschuldigten dann in den frühen Morgenstunden direkt am Tatort stellen. Bei ihrem Eintreffen fanden die Beamten zudem Beschädigungen an der Haustür und Aufbruchwerkzeug vor.

Ein gängiges Szenario ist das aber nicht – genauso wenig wie das, welches einem Bergkamener kürzlich widerfuhr. Denn dieser befand sich zum Tatzeitpunkt selbst noch in seiner Wohnung. Als er durch den Türspion bemerkte, dass jemand versuchte, sich mit einem Brecheisen Zutritt zur Wohnung zu verschaffen, alarmierte er ebenfalls die Polizei – und schrie den Einbrecher durch die verschlossene Tür an.

Einbrecher in Bergkamen versteckte sich in Spielplatzrutsche

Letzterer flüchtete daraufhin. Allerdings ohne langfristigen Erfolg. „Wir haben den Beschuldigten später auf einem benachbarten Spielplatz angetroffen. Dort hatte er sich in einer Tunnelrutsche versteckt“, erklärt Stein. Auch in diesem Falle habe sich der Bewohner völlig richtig verhalten: „Er hat uns gerufen und dem Täter signalisiert, dass sich jemand in der Wohnung befindet.“

Wenn man dann auch noch aus sicherer Entfernung – etwa durch ein Fenster oder vom Balkon aus – beobachten könne, in welche Richtung der Täter flüchtet, sei das nahezu der Idealfall. Die Beamten könnten so die „Nahbereichsfahndung“ entsprechend eingrenzen. Und das erhöht die Chancen, den Täter doch noch zu stellen, deutlich.

Infos zum Einbruchschutz

  • Die Polizei NRW hat im Jahr 2016 die Kampagne „Riegel vor“ gestartet, um für das Thema Wohnungseinbrüche zu sensibilisieren. Als „dreifacher Riegel gegen Einbrecher“ gelten demnach folgende Grundsätze: Achten Sie auf verdächtige Personen und Situationen. Rufen Sie im Verdachtsfall sofort die Polizei über 110. Lassen Sie sich neutral und kostenlos von Ihrer Polizei zum Einbruchschutz beraten.
  • Weitere Information rund ums Thema Einbruchschutz erhalten Interessierte auf der Internetseite der Landespolizei unter polizei.nrw/artikel/riegel-vor-sicher-ist-sicherer.
Über den Autor
Redakteur
Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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Felix Püschner

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