Zahnärztin Dörte Oesterschulze möchte mit Einsatz in Madagaskar ein Stück zurückgeben

mlzEhrenamtliches Engagement

Dörte Oesterschulze möchte nicht nur zusehen, sonder mit anpacken. Deshalb fliegt die Zahnärztin (28) im April nach Madagaskar, um den Menschen zu helfen, die sonst nicht behandelt werden.

Werne

, 26.12.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Madagaskar gehen die Menschen erst zum Arzt, wenn es gar nicht mehr geht. Wenn die Schmerzen zu groß sind. Dafür nehmen sie nicht selten einen langen Weg auf sich. Auch die Infrastruktur in dem afrikanischen Entwicklungsland ist lückenhaft.

Dörte Oesterschulze möchte nicht weiter nur zusehen, sondern etwas gegen den Zustand der Menschen dort tun. Die 28-Jährige möchte dabei helfen, die Schmerzen der Einwohner, die hier nicht regelmäßig eine Praxis besuchen, zu lindern. Deshalb fliegt die Zahnärztin aus Werne mit einer Hilfsorganisation im April für drei Wochen auf die afrikanische Insel.

Präventive Maßnahmen angedacht

Dörte Oesterschulze schätzt ihren Einsatz realistisch ein: „Häufig werden wir nicht mehr als zahnrettende Maßnahmen betreiben können“, sagt Oesterschulze, die gemeinsam mit vier weiteren Zahnärzten und drei Zahnarzthelferinnen nach Madagaskar fliegt. Inwiefern es darüber hinaus auch präventive Aktionen geben wird, ist ungewiss, aber wünschenswert. Zahnputzdemonstrationen mit Kindern und die Ausgabe von Zahnbürsten sind beispielweise geplant.

„Aber die Frage ist dann auch, wie viel Prävention möglich ist, wenn das ganze Milchgebiss schon zerstört ist“, erklärt Oesterschulze. Doch wer weiß, wie man seine Zähne richtig putzt, bekommt vielleicht auch weniger Karies.

Ihre Hauptaufgabe werden aber wohl chirurgische Eingriffe sein, glaubt die junge Zahnärztin. Sie sagt aber auch: „Ich möchte nicht dorthin fliegen, um nur Zähne zu ziehen. Prävention bedeutet für mich auch, wenn ein Patient nach unserer Behandlung jahrelang keine weiteren Arztbesuche nötig hat.“

Zahnärztin Dörte Oesterschulze möchte mit Einsatz in Madagaskar ein Stück zurückgeben

Dörte Oesterschulze fliegt im April 2019 nach Madagaskar, um die Menschen dort zahnärztlich zu versorgen. Für den Einsatz sammelt sie Spenden. Auch beim Winterzauber auf dem Roggenmarkt hat sie schon eine dreistellige Summe eingesammelt. © Michelle Kozdon (A)

Alles aus eigener Tasche zahlen

Dörte Oesterschulze möchte ihren Beitrag dazu leisten, dass es den Menschen etwas besser geht. „Sie laufen zum Teil stundenlang, um zum Zahnarzt oder Arzt zu kommen, weil sie Schmerzen haben. Hier in Deutschland ist es selbstverständlich, dass Menschen zum Arzt gehen können. Dort unten haben die Menschen hingegen auch nicht unbedingt das Geld für eine Behandlung“, erzählt Dörte Oesterschulze. Allein eine Spritze und das Medikament müssen die Menschen dort selbst bezahlen. Wer kein Geld dafür hat, muss das Krankenhaus wieder verlassen – mit einem erkrankten Kind.

Dörte Oesterschulze hat dies selbst miterlebt, als sie 2009 für vier Monate in einem Krankenhaus in Ghana gearbeitet hat. „Das ist schon sehr schlimm. Dort zu helfen, das liegt mir schon sehr am Herzen. Medizinische Versorgung sollte für alle Menschen zugänglich sein“, sagt sie.

Aus diesem Grund haben sich auch zwei junge Zahnärztinnen aus Deutschland engagiert. Nach einem Einsatz in Madagaskar haben sie 2015 den gemeinnützigen Verein „Planet Action – Helfende Hände“ gegründet. Seitdem konnten die Mediziner, die ihr Wissen ehrenamtlich einsetzen, viele Menschen in Entwicklungsländern zahnärztlich versorgen.

Zahnärztin Dörte Oesterschulze möchte mit Einsatz in Madagaskar ein Stück zurückgeben

Auch Zahnputzdemonstrationen sind während des Einsatzes geplant. © Planet Action

Auch in Madagaskar konnte die Organisation schon einiges bewirken. Neben der Behandlung der Menschen vor Ort konnte zusätzlich ein Trinkwasserbrunnen mithilfe von Spendengeldern entstehen. Die Spendengelder ermöglichen die kostenlose Behandlung der Menschen in den Entwicklungsländern. Materialien werden ebenso gespendet. Alle Spenden fließen direkt in den Einsatz. Die ehrenamtlichen Helfer zahlen ihren Einsatz samt Flüge, Unterkunft und Verpflegung selbst.

Für Dörte Oesterschulze ist der Einsatz eine Herzensangelegenheit. Sie wollte sich schon seit langer Zeit mit solch einem Projekt sozial engagieren, wie sie selbst sagt. „2007 war ich das erste Mal im Familienurlaub in Kapstadt. Wenn man einmal da unten in Afrika ist, dann hat man sein Herz an diesen Kontinent verloren. Und wenn man so schöne Urlaube da macht, dann möchte man auch irgendwas zurückgeben“, erklärt die Wernerin, die sich auch im hiesigen SPD-Ortsverein engagiert.

„Das werden ganz besondere Herausforderungen.“
Dörte Oesterschulze, Zahnärztin

Nun bringt sie auch drei Jahre Berufserfahrung als Zahnärztin mit. Das sei auch wichtig, denn die Behandlungsmöglichkeiten auf Madagaskar seien ganz andere als hierzulande. „Vielleicht gibt es kein Röntgengerät oder nur ganz einfache Holzbänke. Vielleicht werden wir Zähne ziehen müssen ohne Absauggerät. Das werden ganz besondere Herausforderungen“, sagt Oesterschulze.

Sie bereitet sich derzeit auf ihren Einsatz vor: Visum, Arbeitsgenehmigung, Impfungen muss die 28-Jährige für ihren Trip nach Madagaskar vorbereiten. Ein bisschen Zeit bleibt noch, bevor mit dem Flug am 12. April ein ganz besonderes Abenteuer und ein spezieller Arbeitseinsatz beginnen.

  • Dörte Oesterschulze, die ihren Einsatz aus der eigenen Tasche finanziert, würde sich über Spenden, die in das Projekt fließen, freuen.
  • Spenden sind möglich unter: Planet Action - Helfende Hände e.V.; Raiffeisenbank Aschaffenburg eG; IBAN: DE26 7956 2514 0007 5301 88 oder online unter www.planet-action.de
  • Den Verwendungszweck „Einsatz Madagaskar April 2019“ bitte mit angeben.

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