Zur Ausnüchterung in die Arrestzelle

Polizeigewahrsam

Keine scharfen Kanten, alles in helles Neonlicht getaucht, sterile Atmosphäre. Wer an diesen Ort kommt, wird nicht freundlich begrüßt. Wer an diesen Ort kommt, will da eigentlich auch nicht hin: der Arrest-Trakt der Polizeiwache Kamen.

WERNE/KAMEN

von Von Jörg Heckenkamp

, 14.12.2012, 17:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine Zelle ist mit einem Abtritt versehen und für besonders unsaubere "Kunden" gedacht, die auch schon mal unappetliche Dinge anstellen.

Eine Zelle ist mit einem Abtritt versehen und für besonders unsaubere "Kunden" gedacht, die auch schon mal unappetliche Dinge anstellen.

Da die Polizeistation Werne keine funktionsfähigen Haft-Räume hat, bringt sie im Fall des Falles die geschnappten bösen Buben nach Kamen. Insgesamt in diesem Jahr 19 Mal gab's einen Transport von der Lippestadt in die Nachbargemeinde.

Direkt hinter dem Kamener Wachbüro liegt der Zellen-Trakt. Ebenerdig, schnell zu erreichen. Kurze Wege sind wichtig. Meist lassen sich die Eingelieferten nicht ganz so gerne einsperren. Rangeleien, Beleidigungen sind nicht selten. Gut, wenn er oder sie dann schnell hinter Schloss und Riegel ist.

Das sind sie dann im Wortsinn. Die Stahltüren zu den vier Arrestzellen weisen neben dem Schloss jeweils zwei starke Riegel und eine Sicherheitskette auf.Alles ist abwaschbar

Sind die alle geöffnet, offenbart sich der Blick in eine Unterkunft, wie sie nüchterner nicht sein kann. Fliesenboden, gemauerte Pritsche, Fenster mit Milchglasscheibe, dahinter das Gitter. Die blaue Matratze für die Pritsche ist abwaschbar und erinnert an eine Turn-Matte.

Doch schließlich sollen sich die Leute, die hier landen, auch nicht wohl fühlen. "Außerdem bleiben sie in der Regel nur einige Stunden", sagt Martin Joost. Der Wachleiter aus Werne hat diese Türen gemeinsam mit dem Kamener Wachdienstführer Uwe Manz für unsere Redaktion geöffnet.

Alles ist auf Sicherheit und Zweckmäßigkeit getrimmt. Randalierer haben kaum eine Chance, etwas zu demolieren. Es gibt in den Zellen einfach nichts. Selbst der Klingelknopf, mit dem sich die Eingesperrten bemerkbar machen können, ist plan in die Wand gesetzt.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Die Arrestzelle

14.12.2012
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Eine Zelle ist mit einem Abtritt versehen und für besonders unsaubere "Kunden" gedacht, die auch schon mal unappetliche Dinge anstellen.© Foto: Jörg Heckenkamp
Wer Durst hat, bekommt Wasser in einem Plastikbehälter, wer friert, eine blaue Decke. Alles ist so ausgestattet, dass die Häftlinge weder sich noch die Polizisten verletzen können.© Foto: Jörg Heckenkamp
Wasser marsch. Wenn jemand seine Zelle dreckig hinterlässt, können die Beamten sie mit diesem Schauch ausspritzen und säubern.© Foto: Jörg Heckenkamp
Tür, vergittertes Fenster mit Milchglasscheiben, gemauerte Pritsche, blaue, abwaschbare Matratze - das war's in der Zelle.© Foto: Jörg Heckenkamp
Uwe Manz zeigt eine berührungs-empfindliche Signalschiene im Flur vor den Zellen. Bei etwaigen Rangeleien können die Beamten diese leicht mit dem Körper auslösen.© Foto: Jörg Heckenkamp
Oberste Einrichtungsmaxime: Sicherheit und Zweckmäßigkeit.© Foto: Jörg Heckenkamp
Alles ist zweckmäßig und auf Sicherheit bedacht. So auch die niedrigen Wände zwischen Toilette und Dusche, die so eben die Privatsphäre schützen.© Foto: Jörg Heckenkamp
Blick in eine der vier Arrestzellen der Polizeiwache Kamen. Festgenommene aus Werne und aus Selm landen dort.© Foto: Jörg Heckenkamp
Nicht gerade Luxus-Klasse sind die Sanitäreinrichtungen.© Foto: Jörg Heckenkamp
Blick von oben auf die Sicherheitseinrichtungen der Stahltüren.© Foto: Jörg Heckenkamp
Jede Zellentür ist unter anderem mit zwei solcher massiven Riegel gesichert.© Foto: Jörg Heckenkamp
Neben Schloss und Riegel weisen die Türen auch Sicherheitsketten auf.© Foto: Jörg Heckenkamp
Gemütlich ist anders. Uwe Manz (l.) und Martin Joost in einer der spartanischen Zellen.© Foto: Jörg Heckenkamp
Der Kamener Wachdienstführer Uwe Manz (48) öffnet die Tür zu einer der vier Arrestzellen.© Foto: Jörg Heckenkamp
Mit diesem speziellen Klingelknopf können sich die Arrest-Häftlinge bemerkbar machen.© Foto: Jörg Heckenkamp
Der Werner Wachleiter Martin Joost (56) vor der Polizeiwache in Kamen.© Foto: Jörg Heckenkamp
Schlagworte
Besonders widerspenstige und ungepflegte Gäste landen in Zelle 4. Die ist auch an den Wänden gefliest und mit einem Edelstahl-Abtritt ausgestattet. Selbst unappetitliche Hinterlassenschaft lassen sich dort mittels Schlauch schnell wegspülen.

"Die meisten sind nach sechs, sieben Stunden wieder raus", sagt Uwe Manz. Klassischer Fall der Ingewahrsamnahme: der Betrunkene, der nachts daheim das Mobiliar zerlegt. Die Beamten stecken ihn zur Ausnüchterung in die Zelle. Meist hat er sich morgens soweit akklimatisiert, dass er den Heimweg antreten kann.  Bei den Tätern aus der Kategorie "Festnahme" ermitteln die Polizeibeamten den Hintergrund der Tat. Dann entscheidet sich, ob er Bekanntschaft mit dem Haftrichter macht oder mangels Haftgründen auf freien Fuß kommt.

Dann kann er die ungemütliche Unterkunft verlassen. Hoffentlich ohne Rückkehr. Doch manche kommen wieder.

 

 

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