Marko Mecke hat nach der Tierquälerei in der Viehsammelstelle in Werne zwei Mitarbeitern gekündigt. Dass diese die Allein-Täter gewesen sein sollen, nimmt Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz dem Firmenchef nicht ab. © Soko Tierschutz e.V.
Tierquälerei in Werne

„Zwei Handlanger sind nicht die Allein-Täter“: Soko Tierschutz zu Mecke-Verhalten

Nach dem Tierquälerei-Skandal beteuert Firmenchef Marko Mecke seine Unschuld. Das nimmt ihm Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz nicht ab. Die Bestellung der Tiere für die Viehsammelstelle sei Chef-Sache gewesen.

Nach Bekanntwerden des Tierquälerei-Skandals und einem exklusiven Interview mit unserer Redaktion war Firmenchef Marko Mecke zunächst untergetaucht. Am Dienstag (3. August) beteuerte Mecke in einer Stellungnahme dann erneut öffentlich seine Unschuld. „Das ist die typische Taktik, die wir in solchen Fällen schon oft gesehen haben. Man duckt sich erst einmal weg und zeigt sich dann reumütig“, sagt Friedrich Mülln vom Vorstand der Soko Tierschutz.

Was ihn stutzig macht und verärgert, sei die Tatsache, dass das Geschäft von Marko Mecke nach dem Skandal weiterläuft. Neben der Metzgerei an der Lippestraße ist auch die Zweigstelle mit der Schlachterei geöffnet. „Es ist schon dreist, dass das Geschäft weiterläuft. Er hätte erst einmal das ganze Fleisch zurückholen lassen müssen von den Tieren, von denen er nichts gewusst haben will, um die Sicherheit von Menschen und Tieren, die das Fleisch gegessen haben könnten, zu gewährleisten“, sagt Mülln.

Marko Mecke (hier auf einem Archivbild) nimmt in einem exklusiven Interview Stellung zu den Tierquälerei-Vorwürfen in einem seiner Standorte.
Marko Mecke (hier auf einem Archivbild) nimmt in einem exklusiven Interview Stellung zu den Tierquälerei-Vorwürfen in einem seiner Standorte. © Jörg Heckenkamp (A) © Jörg Heckenkamp (A)

Zwar hat der Kreis Unna die Viehsammelstelle von Mecke schließen lassen, nachdem aufgedeckt worden war, welche Zustände dort herrschten. Marko Mecke hätte darüber hinaus aber handeln müssen, so Mülln weiter. „Er hätte vorsorglich alle seine Betriebe schließen müssen“, fordert der Aktivist. Mecke hat erklärt, dass er die Verantwortung für die Geschehnisse als Betriebsinhaber übernehmen werde.

„Bestellung der Tiere ist Chef-Sache“

Zwei Mitarbeitern, darunter der Tierschutzbeauftragte von Mecke, hat er fristlose Kündigungen ausgesprochen. Er habe selbst nicht von den Zuständen in der Viehsammelstelle gewusst, beteuert der Firmen-Chef immer wieder. „Ich habe mir den Vorwurf zu machen, dass ich in einzelnen Betriebsteilen nicht mehr nahe genug am täglichen Geschehen war“, erklärte Marko Mecke am Dienstag (3. August).

Das nimmt ihm Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz nicht ab. „Zwei Handlanger führen nicht den gesamten Familienbetrieb an der Nase herum. Sie sind nicht die Allein-Täter. Die Bestellung in der Viehhandlung ist ganz klar Chef-Sache – egal, was man daraus macht.“

Die Videoaufnahmen zeigten laut Mülln, dass die Tiere sich die Verletzungen nicht nur durch den Transport zugezogen haben können. „Das sind eindeutige Brüche und Geschwüre. So etwas entsteht nicht schnell, sondern beweist monatelanges Leiden“, sagt Mülln. Über Monate lang hat die Soko Tierschutz Videomaterial in der Viehsammelstelle in Werne aufgenommen. Somit sei auch klar erkennbar, dass man hier monatelang widerrechtlich kranke Tiere angeliefert habe. Dahinter stecke ein ausgeklügeltes System.

In den Videos sei zudem erkennbar, dass ein Mitarbeiter immer wieder telefoniert hat, nachdem neue Tiere angeliefert worden sind, berichtet Mülln. Der Mitarbeiter habe dabei offensichtlich Vollzug gemeldet, so der Aktivist weiter. „Sie wussten alle genau, welche Tiere dort angeliefert werden“, sagt Mülln. Sie hätten daraufhin Strafanzeige stellen müssen. Stattdessen haben sie wohl ihren Chef, der von nichts gewusst haben will, gedeckt, glaubt Mülln.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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