Zwischen Neubau und Notlösung: Das müssen Werner Eltern zur Kita-Situation wissen

mlzKitas in Werne

Die Kita-Bedarfsplanung ist in Werne gerade keine einfache Angelegenheit. Und das nicht nur wegen der spontanen Notlösungen und dem Warten auf die Neubauten. Was sagt die Stadt zur aktuellen Lage?

Werne

, 07.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hier eine Baustelle, dort eine Übergangslösung. Ein paar Gruppen hier, ein paar Gruppen dort. Wenn man sich die Kita-Landschaft in Werne anschaut, wird schnell klar: Einfach hat es gerade niemand. Weder Kinder noch Eltern - und auch nicht die Stadt. Fasst man die jüngsten Entwicklungen und Planungen zusammen, entsteht ein fast schon diffuses Bild - mit einigen „Problemstellen“:

Kita St. Sophia: Die Einrichtung an der Kirchstraße musste im August 2019 wegen eines Wasserschadens leergezogen werden. Die 77 Kinder werden aktuell in 4 Gruppen im Ev. Gemeindezentrum Stockum an Brucknerstraße betreut. Das Kita-Gebäude an der Kirchstraße soll saniert werden. Wer die Kosten übernimmt, steht allerdings noch nicht fest, da die Schuldfrage für den Wasserschaden noch nicht geklärt ist.

Kita Unter dem Regenbogen: Auch in dem inzwischen abgerissenen Gebäude am Ostring gab es einen Wasserschaden. Das war 2017. Ein Neubau soll bis Ende 2020 kommen – für drei Gruppen. Eine U3-Gruppe ist gerade im Bonhoeffer-Zentrum untergebracht, zwei größere Gruppen (mit Kindern ab zwei Jahren) hingegen in der ehemaligen Barbaraschule. Hier werden seit August 2017 aber auch drei Kita-Gruppen in Trägerschaft der Jugendhilfe Werne betreut. Im kommenden Kita-Jahr soll eine vierte Gruppe hinzukommen - und dann im Frühjahr 2021 gemeinsam mit den anderen drei in den neuen Kita-Campus am Christophorus-Krankenhaus ziehen.

Kita Biberburg: Nach aktuellem Stand soll bis März 2021 ein Neubau für vier Gruppen im Dahl entstehen. Träger ist die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Eine Art Light-Version der Biberburg gibt es aber schon jetzt – nämlich an der Stockumer Straße. In dem 2017 reaktivierten Gebäude der ehemaligen Kita St. Konrad werden momentan 40 Kinder in zwei Gruppen betreut. Weil der Bedarf nach zwei weiteren Gruppen allerdings schon ab Sommer 2020 besteht, wird voraussichtlich die ehemalige Wienbredeschule bis dahin als zusätzliche Übergangslösung für eben diese beiden Gruppen fungieren.

Alles klar soweit? Selbst Jugenddezernent Alexander Ruhe muss kurz überlegen, als er die aktuelle Kita-Situation schildert. „Ja, ein bisschen kompliziert ist das gerade schon. Aber in einigen Punkten hatten wir sogar Glück im Unglück“, sagt Ruhe. Zum Beispiel, wenn es um die Kooperationsbereitschaft mit den Trägern geht - sei es die Jugendhilfe, das DRK, die AWO oder das Bistum. Auf die ist man angewiesen, denn keine der 17 Werner Kitas ist in kommunaler Trägerschaft.

„Die AWO ist mit der Biberburg beispielsweise vorzeitig an den Start gegangen. Das ist nicht selbstverständlich“, so der Jugenddezernent. Allerdings profitierten hiervon letztlich beide Seiten: Die Stadt, weil es frühzeitig mehr Personal und Plätze für die Kinderbetreuung gibt - und natürlich der Träger selbst. Es ist einfacher, eine Kita sukzessive aufzubauen, statt gleich mit der vollen Gruppenstärke anzufangen. Ein weiterer „Glücksfall“: Bislang gab es immer Räume, die sich gut als Provisorien eigneten. Containerlösungen wie es sie in anderen Städten gibt, waren in Werne bislang nicht nötig.

Jedes Kita-Kind soll einen Platz bekommen

So wie man derzeit aufgestellt sei, werde man auch im kommenden Kita-Jahr den Bedarf an Betreuungsplätzen decken können, heißt es von Seiten der Stadt. Im laufenden Kita-Jahr hatte jedes Kind einen Platz bekommen - wenngleich es sich nicht in jedem Fall um die Wunsch-Kita handelte.

Stand November 2019 werden in der Lippestadt 1019 Kinder betreut, 763 davon im Ü3- und 256 im U3-Bereich. 84 dieser Kinder sind in der Obhut der 25 qualifizierten Tagesmütter und -väter. Letztere sichern der Stadt zumindest etwas Flexibilität, denn Tagespflegepersonen sind vor allem in Sachen Randzeitenbetreuung des Nachwuchses gefragt. Und das insbesondere für Kinder unter drei Jahren.

Die Entwicklung in diesem Bereich zu planen, gestaltet sich laut Ruhe schwierig. Zwar sei die Stadt in der Vergangenheit mit dem prognostizierten Richtwert von 250 neugeborenen Kindern pro Jahr ganz gut gefahren - allerdings ließe sich daraus natürlich nicht immer der exakte Bedarf an Betreuungsplätzen ableiten.

Denn oftmals ist das Elterninteresse an der Nutzung des Angebots kurz vor der Geburt des Kindes anders als danach. Ist der Nachwuchs erst einmal da, entscheiden sich die Eltern nicht selten „spontan“ dazu, ihren Sprössling in den ersten Lebensjahren lieber gänzlich selbst zu betreuen.

Keine kommunalen Kitas

Auf einen allzu großzügigen Puffer an freien Plätzen sollten Eltern übrigens nicht setzen. Es wird sie nicht geben. Der Grund: Sind die Gruppen in Kitas nicht voll, drohen finanzielle Verluste - dem Träger, aber auch der Kommune in Form von Ausgleichszahlungen.

Dennoch: Auf externe private Träger zu setzen, anstatt die Kitas in Eigenregie zu betreiben, hatte für die Stadt bislang viele Vorteile. Kommunale Kitas waren immer eine kostspielige Angelegenheit - Nachbarkommunen können ein Lied davon singen. Und auch der Personalpool, aus dem Träger wie die AWO und das Bistum schöpfen können, ist wesentlich größer als der einer kleinen Kommune, die beispielsweise zwei eigene Kitas betreibt. Bei großer Fluktuation oder krankheitsbedingten Ausfällen von Betreuungskräften wäre das kaum tragbar.

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